In Deutschland bisher ein einzigartiger Fall
Im Raum Ulm gab es bis gestern 52 nachgewiesene Fälle von Legionärskrankheit, drei Menschen sind gestorben. Der Fall ist in Deutschland einmalig.
Noch nie sind so viele Menschen in Deutschland an einem Standort an der Legionärskrankheit erkrankt. Das bestätigte gestern Doris Reick vom Landesgesundheitsamt bei einer Pressekonferenz. Seit Anfang Januar bis gestern sind 52 Fälle in Ulm und Neu-Ulm nachgewiesen worden, drei Personen starben. Bis auf einen Erkrankten aus dem Raum Esslingen - er stieg am Hauptbahnhof Ulm lediglich um - wohnen und arbeiten alle in den Kerngebieten der Städte Ulm und Neu-Ulm. Bisher ist nicht klar, aus welcher Quelle die Bakterien stammen (siehe Artikel rechts). Die Experten sehen es jedoch als wahrscheinlicher an, dass die Erreger aus einer Kühlanlage stammen.
Solch ein Fall ereignete sich 2006 in Amsterdam (Niederlande). Dort verursachte mit Legionellen behafteter Dampf einen Ausbruch der gefährlichen Krankheit. Damals infizierten sich 24 Menschen, einer starb. Auch in Amsterdam war es schwierig, den Infektionsherd zu finden: Die Erkrankten lebten an ganz unterschiedlichen Orten. Schließlich stellte sich heraus, dass der verseuchte Wasserdampf aus Kühltürmen beim ehemaligen Postamt in der Nähe des Hauptbahnhofes der Stadt stammte.
Sehr viele Infizierte gab es 2001 im spanischen Murcia. 801 Menschen mit Lungenentzündung wurden damals registriert und behandelt. Bei 315 davon konnte die Legionärskrankheit einwandfrei nachgewiesen werden. Auch hier barg der Dampf aus Kühltürmen die Legionellen. Bei anderen Fällen in Deutschland und weltweit waren oft Wasserleitungen und Klimaanlagen Ursache der Infektionen. Eine Ausnahme bildet noch ein Fall in Holland. Dort brach 1999 unter Besuchern einer Gartenbaumesse eine Epidemie der Legionellose aus. Einer der Aussteller hatte einen Whirlpool zur Schau gestellt, der mit dem Bakterium Legionella pneumophila infiziert war. Winzige Wassertropfen aus dem Gerät nahmen Besucher der Messe auf. Von ihnen erkrankten 230, davon starben 28 an der Krankheit.
- Viertes Todesopfer durch Legionellen-Infektion in Ulm
- Dritter Todesfall durch Legionellen
- Dampfwolke als Krankheitsquelle
- Mysteriöse Infektionswelle
- Vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind gefährdet
- Bürgertelefon
- KOMMENTAR · LEGIONELLEN: Gutes Krisenmanagement
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Autor: ULRIKE SCHLEICHER | 12.01.2010
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