Blausteiner Theatertage starten mit Shakespeare – und einer freundlichen Spitze zu Schukraft

|

Wolfgang Schukraft hat Blaustein in 32 Jahren zur Theaterstadt gemacht. Mit seinem  Vermächtnis, den „Blausteiner Theatertagen“, die von Nachfolgerin Edith Erhardt fortgeführt werden, stärkt er den Ruf. Beim Festival verabschiedet sich der Prinzipal mit eigenen Stücken und Werken befreundeter Bühnen, wie dem Augsburger S’Ensemble Theater des gebürtigen Ulmers Sebastian Seidel. Der hat als junger Mensch unter anderem als Beleuchter auf Schukrafts Bühne „Blut geleckt“ und nach dem Studium selbst ein Theater gegründet. Sein 2006 geschriebenes Stück „Hamlet for You“ wird europaweit und sogar in Amerika gespielt.

Seidel hat aus dem personenreichen Shakespeare-Werk eine intelligente, geistreiche Zwei-Personen-Komödie gemacht, die einem nicht nur die Figuren näherbringt, sondern auch ein Gefühl für die damalige Theatergeschichte erzeugt. So wurde das Publikum – ganz im Sinne der „Volksmasse“ im Globe Theater in London – im Blausteiner Theatereizelt singend, klatschend oder mit Ausrufen wie „Verräterin“, wenn der Name der Königin Gertrude fiel, ins Geschehen einbezogen. Und das obwohl Johannes (Birgit Linner) bei ihrem Schauspielkumpanen Friedrich (Jörg Schur) in einem wortwitzigen Monolog über „Zuschauer, die schon Zuschauer sind und daher keine Zuschauer spielen können“ gerade dazu berechtigte Bedenken äußerte.

Hamlet mal klamaukig

Die Inszenierung war den beiden Schauspielern auf den Leib geschneidert und so brillierten sie in den vielfältigen Rollen und agierten auf der Drehbühne, die alle Requisiten einschließlich Gasmaske für den Geist des Vaters, Schwerter und Stockpferde bereithielt. Auf einem Thron diskutierte der stets derb-laute Claudius mit der anschmiegsam-verliebten Gertrude über die Hintergründe der Geschichte. Neben Improvisationen und Spiel im Spiel durfte Hamlets Monolog „Sein oder nicht sein“ nicht fehlen – versehen mit etlichen Klamauk-Elementen.

Nach der Pause liefen die zwei – trotz nicht-funktionierendem Mikro, in das Johannes als Geist inbrünstig sang – zu Hochform auf. Es wurde gespielt und gestritten. Wer spielt welche Rolle? Kleine freundliche Spitze an Schukraft: „Nach 32 Jahren darf man sich verabschieden, aber nicht vorher.“ Wie gut, dass Friedrich Johannes zum Weiterspielen überreden konnte: Es wäre schade um diese Komödie, fehlte der Schluss mit all den theatralischen Morden!

Info Weitere Termine: 6./8. Okt. „Maria und die Callas“, 7. Okt. Frederic Hormuth „Halt die Klappe – Wir müssen reden!“

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ärger über wildes Parken in der Hauptstraße

In Göppingen wächst der Unmut über das Parkchaos in der Hauptstraße. Der Ruf nach einem härteren Durchgreifen gegen Parksünder wird lauter. weiter lesen