Ran an die junge Szene

Dresden.  Als erste Frau an der Spitze der Dresdner Semperoper beginnt die neue Intendantin Ulrike Hessler am 1. August ihr Amt an. Sie hat die Jugend im Blick, die sie auch für die Oper gewinnen will.

Ihre erste Opernaufführung besuchte Ulrike Hessler im Alter von acht Jahren. Damals wurde in der Bayerischen Staatsoper in München "Hänsel und Gretel" gezeigt. Die Opernwelt hat bei der heute 55-Jährigen allergrößten Eindruck hinterlassen. 26 Jahre lang war Hessler an der Bayerischen Staatsoper tätig und wird nun am 1. August die Nachfolge von Gerd Uecker als Intendantin der Semperoper in Dresden antreten. "Die Semperoper gehört zu den bekanntesten Opernhäusern der Welt und ist ein Symbol für Dresden", schwärmt Hessler über ihre künftige Wirkungsstätte. Die lange Tradition und die bewegte Geschichte des von Gottfried Semper (1803-1879) erbauten Hauses wirkten bis in die heutige Zeit hinein. Folglich habe sie vor zwei Jahren, als ihr die Führungsposition an der Oper angeboten wurde, nicht lange nachgedacht und zugesagt, erzählt Hessler.

Über ihren Werdegang in der Opernwelt sagt Hessler: "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht." Bevor sie 1984 als Assistentin des Pressesprechers an die Bayerische Staatsoper ging, hatte sie Neuere deutsche und französische Literatur studiert und an der Uni Eichstätt gearbeitet. Nach und nach kletterte sie dann an der Münchner Oper die Karriereleiter nach oben und war von 2006 an als Mitglied des Direktoriums an der kommissarischen Leitung des Opernhauses beteiligt.

In Dresden wird Hessler künftig die alleinige Verantwortung übernehmen und hat sich dafür einiges vorgenommen. "Ich möchte aufregende und neue Produktionen spielen, das Ensemble erweitern und neue Regisseure verpflichten", sagt Hessler über ihre Pläne. Besonders am Herzen liegt ihr die Jugend, die sie verstärkt für die Oper gewinnen möchte. "Wir müssen mehr dafür tun, vor allem jungen Leuten die Opernsprache zu vermitteln."

Aus diesem Grund führt die neue Intendantin ab der kommenden Spielzeit neben der Oper, dem Ballett und den Konzerten der Sächsichen Staatskapelle die vierte Sparte "Junge Szene" ein. Sie soll sich an ein eher jüngeres Publikum richten und die Einbindung der Zuschauer in die Aufführungen ermöglichen. Schon im neuen Spielplan der Semperoper lässt sich eine gewisse Handschrift der Intendantin erkennen. So wird es 14 Neuproduktionen, 44 Sänger- und 17 Dirigentendebüts geben. Eine Neuerfindung der Semperoper steht allerdings nicht auf der Agenda von Hessler. "Ich möchte das große Repertoire der Semperoper weiter pflegen", sagt sie. Wagner, Strauss, Verdi und Mozart würden auch weiterhin dem Dresdner Publikum gezeigt.

Für Vorfreude sorgt bei Hessler die Zusammenarbeit mit Christian Thielemann, dem künftigen Chefdirigenten der Sächsischen Staatskapelle. Er wird - auch auf Wunsch von Hessler - ab der Spielzeit 2012/2013 in Dresden tätig sein. "Wenn Thielemann in Dresden spielt, wird die Welt die Ohren aufmachen", verspricht Hessler.


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