Bunte Pixel aus Paris

Die Welt des französischen Malers Georges Seurat (1859-1881) entstand aus unzähligen bunten Tupfen. Rund 60 Arbeiten des Pointilisten sind derzeit in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt zu sehen.

Zunächst tanzen viele kleine Punkte nur als flirrende Wolke vor dem Auge, erst mit Abstand formen sich daraus Parks in Paris, Angler in der Vorstadt, Boote am Meer und Artisten in der Zirkus-Arena. Die Ausstellung "Georges Seurat - Figur im Raum" präsentiert das eigenwillige Werk des Neoimpressionisten vom Ende des 19. Jahrhunderts, das an der Schwelle zu Moderne steht.

Schon als Kind erhielt der 1859 in Paris geborene Seurat Zeichenunterricht. Das Vermögen seiner Familie gewährte ihm zeitlebens finanzielle Unabhängigkeit. Das künstlerische Handwerk lernte Seurat an der "Ecole des Beaux Arts". Dort übte er klare Komposition und klassische Techniken an den alten Meistern.

Nach nur einem Jahr verließ er die Akademie mit ihrem starren Lehrplan. Denn die Begegnung mit der Malerei der Impressionisten hatte ihm eine neue Kunst gezeigt. So malte auch er mit schnellem Pinselstrich, arbeitete außerhalb des Ateliers vor Ort und übernahm die Sujets vom urbanen Leben.

Doch bald wollte er über diesen subjektiven und sentimentalen Ausdruck hinaus. Er beschäftigte sich intensiv mit den Erkenntnissen der zeitgenössischen Wissenschaft, studierte Farbtheorien, die Chemie der Pigmente und die physiologische Wirkung von Farben auf das menschliche Auge. Daraus entwickelte er seine eigene Malweise, den Pointillismus. Dabei setzte er die Farben rein und ungemischt in dicht gedrängten Punkten auf die Leinwand.

Der Gesamteindruck des Bildes entsteht dann erst aus gewisser Entfernung im Auge des Betrachters, als optische Mischung. Die Farbe Lila erzeugte er beispielsweise durch das enge Nebeneinander von roten und blauen Tupfen. Die äußerst zeitaufwendige Methode erfordert einen sehr präzisen Auftrag mit einem feinen Pinsel. Nichts im Bild ist mehr zufällig.

Nur seine Ölskizzen, die er draußen in der freien Natur machte, stehen noch ganz in der Tradition der Impressionisten. Mit nervösem Gestus malte Seurat Momentaufnahmen der Vorstädte, beobachtete Gärtner bei der Arbeit und Badende an der Seine.

Die Schirn zeigt eine ganze Reihe dieser kleiner Holzbrettchen, die auf den tiefblauen Wänden der Ausstellung wie bunte Kleckse leuchten. Aus diesen Studien komponierte er später im Atelier seine großen Bilder. Die einzelnen Figuren übertrug Seurat als gleichmäßiges Raster auf die Leinwand. Dabei verlieren die Personen ihre Individualität, die Körper reduzieren sich auf stereometrische Grundformen.

Zu entdecken gilt es in der Ausstellung Seurats Zeichnungen. Er hat sie als Studien, aber auch als eigenständige Arbeiten gefertigt. Mit weichem Kohlestift warf er ein dichtes Geflecht auf das stark gekörnte Papier. Wie hinter einem Schleier treten seine tiefschwarzen Figuren nur schemenhaft hervor.

Georges Seurat ist mit 31 Jahren, an Diphtherie gestorben. Sein Werk markiert deutlich einen Übergang: Sein Herz schlug noch mit den großen Gefühlen des 19. Jahrhunderts, aber sein Auge sah die Welt schon mit nüchterner Sachlichkeit.

Georges Seurat - Figur im Raum. Kunsthalle Schirn, Frankfurt a. M.

Bis 9. Mai, Di, Fr-So 10-19, Mi/Do 10-22 Uhr.


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