Horb: Warum wird das Krankenhaus ohne PV-Anlage gebaut?

Schwäbisches Tagblatt
.D a entsteht ein als hochmodern gepriesener Neubau für die medizinische Versorgung des Landkreises und auf dem Dach ist keine Fotovoltaikanlage geplant. Auf die Frage nach dem Warum bleiben die Antworten unbefriedigend. Eine davon ist: Der Generalunternehmer hat empfohlen, auf eine PV-Anlage vorerst zu verzichten. Das muss vor rund vier Jahren gewesen sein. Seitdem hat sich einiges verändert in der Welt, der Klimawandel ist deutlich spürbarer geworden und der Krieg in der Ukraine hat auf die Dringlichkeit der Energieunabhängigkeit hingewiesen.
Die Corona-Pandemie hat ein Umdenken in Krankenhäusern erfordert. Plötzlich waren Isolationsstationen nötig. Die Krankenhausplaner haben darauf reagiert und Zugänge von außen in die Notaufnahme und Isolierzimmer am Ende der Stationen vorgesehen. Nur bei der Dachplanung blieb alles beim Alten: Keine Fotovoltaikanlage. Monique Bliesener, Geschäftsführerin der Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt (KLF), hat dafür eine Begründung: Der dort gewonnene Strom würde nur vier Prozent des Krankenhausbedarfs abdecken.
Dabei ist Fotovoltaik auf landkreiseigenen Gebäuden immer dann Thema, wenn es um die Energiebilanz geht. Der Landkreis hat sich das Ziel gesetzt, dass die Verwaltung bis 2035 und der Landkreis bis 2050 klimaneutral sind. Bei Diskussionen im Kreistag und seinen Ausschüssen geht es auch darum, wie die Bürger mitgenommen werden können. Da wird gefordert, dass der Landkreis eine Vorbildfunktion einnehmen soll.
Landrat Dr. Klaus Michael Rückert sagte im Interview Anfang 2022: „Ich meine, dass wir im Bereich Fotovoltaik noch sehr viel vertragen können im Landkreis.“ Die Bioenergie Freudenstadt, die auch einen Teil der vom Krankenhaus benötigten Energie liefert, hat eine PV-Anlage auf dem Dach. Die Deponie Bengelbruck soll eine bekommen. Die Parkplätze des Landratsamts sollen überdacht werden, um eine PV-Anlage darauf zu installieren. Dieter Fischer von den Grünen sieht diese Möglichkeit auch bei Radwegen. Zur Dach- PV-Anlage beim Klinikum forderte er weitere an der Fassade. Selbst der AfD-Politiker Dr. Uwe Hellstern
trägt PV-Anlagen auf versiegelten Flächen und Dächern von Kreisgebäuden mit, obwohl er die Energiewende für ein „energiepolitisches Märchen aus Robert Habecks Bunker“ hält.
Bei so viel Einigkeit über alle Kreistagsfraktionen hinweg und so kreativen Ideen, wo überall PV-Anlagen möglich wären, sollte es doch möglich sein, zeitnah eine PV-Anlage auf dem Klinikumsdach zu beschließen. Dass diese wohl nicht vor 2024 in Betrieb gehen würde - geschenkt. Aber es wäre ein wichtiges Zeichen an alle Kritiker der rückständigen Planung und an Hausbesitzer, es gleich zu tun.