Wellness, Weisheit und Wein
Bad Boll. Nachdem das Ensemble der Theaterbühne Bad Boll vergangenes Jahr zusammengefunden hat, wartet es nun mit seinem zweiten Stück auf. "Das verrückte Hotel" ist eine Komödie mit schwäbischem Charme.
"Die etwas andere Komödie" lautet der Untertitel des Stücks und verspricht damit nicht zu viel. "Das verrückte Hotel" ist schräg, schrill, schwäbisch und sehr unterhaltsam.
Der Festsaal des Restaurant Löwen in Bad Boll war bei der Premiere schon recht voll, doch jetzt platzt er mit 120 Zuschauern förmlich aus allen Nähten. Wurde mit einem gemütlichen Essen zunächst für das leibliche Wohl gesorgt, serviert die Theaterbühne Bad Boll anschließend allerhand Erheiterndes fürs Gemüt. Der samtrote Vorhang schwingt zur Seite, und die Zuschauer drehen allesamt ihre Stühle der Bühne zu.
Ein schmieriger Playboy-Typ in silbernem Anzug und rosa Satinhemd schläft auf zwei Stühlen in der Hotellobby und hat offensichtlich am Vorabend zu tief ins Glas geschaut. Eine Frau in grüner OP-Kluft und Mundschutz rüttelt ihn wach. Der Playboy namens Nils Fopper (Klaus Hudik) ist Magier von Beruf und schickt sich nun an, die Geschichte des Hotels zu erzählen.
Da ist der Besitzer Manfred Kowalski (Günter Indrich), der früher ein florierendes Künstlerhotel in Stuttgart betrieben hat, das er aber leider aufgeben musste. Sein jetziges Hotel liegt etwas abgelegen und beherbergt nur wenige Gäste, darunter eben den abgehalfterten Magier Fopper und die ehemalige Weinkönigin Eva Krügle (Gerda Kicherer) aus Bad Boll, die kein Wort Hochdeutsch spricht. Um das Geschäft anzutreiben, verwöhnt Kowalskis Ehefrau Doris (Annette Hudik), eine Ärztin mit gefälschtem Doktortitel, die Gäste ihres Mannes mit Wellness- und Beautybehandlungen. Für die richtige Dosis Glamour sorgt Sängerin Luise von Schwafel (Heidi Indrich), die ihre größten Erfolge bereits hinter sich hat, Kowalski als Gast aber immer treu geblieben ist.
Es ist derb und recht einfach gestrickt, das Stück von Klaus Hudik, der für Text und Regie verantwortlich zeichnet. Das schmälert jedoch keineswegs den Unterhaltungswert der Laien-Theatergruppe, die immerhin noch in den Kinderschuhen steckt. Die liebevolle Gestaltung der Charaktere wie auch die große Spielfreude der Schauspieler schaffen eine wunderbar gemütliche Atmosphäre.
Besonders Heidi Indrich als Luise von Schwafel, die sich immer noch für den großen Star hält, tatsächlich aber nur noch vor vier Zuschauern auftritt, spielt hinreißend exaltiert. Nach viel Aufruhr und zahlreichen schwäbischen Bauernweisheiten der Boller Weinkönigin wird sich am Ende zeigen, ob Kowalskis Hotel vielleicht doch noch gerettet werden kann.
Info "Das verrückte Hotel"am Samstag, 10. Dezember, um 20 Uhr im Festsaal des Hotel-Restaurant Löwen in Bad Boll. Karten für 9 Euro können im Hotel oder an der Abendkasse gekauft werden.
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Autor: KERSTIN SCHELLHORN | 08.12.2011
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