Weisheit des Lebens im Kurpark
Bad Boll. Ein Bildhauer entdeckt den Kurpark Bad Boll: Harald Fischer aus Holzmaden hat dort Kunstwerke aufgestellt, hinter denen tiefe Gedanken stecken.
Eigentlich war es für ihn naheliegend. Harald Fischer kennt den Kurpark von Bad Boll von Kindesbeinen an, seine Eltern sind Stammgäste im Thermalbad und sein Vater war hier sogar mal in Reha. Den Kurpark mit der Wandelhalle fand er immer schon schön, und so kam er auf die Idee, dieses Ambiente für Kunstwerke zu nutzen, die er im Laufe der Zeit geschaffen hat. Es ist nicht seine erste Ausstellung: Die letzte große Arbeit steht in Holzmaden auf dem Friedhof, gestiftet von der Unternehmerfamilie Festo.
Es sind ganz eigene Skulpturen, die Fischer präsentiert: Da ist eine Marmorstele "in Bewegung", wie der Fachmann sagt, die den Tanz symbolisiert. Eine Stele, die "Heimat" betitelt ist und aus den drei Schichten des Jura besteht, die die hiesige Landschaft prägen. Ein Ensemble aus vier Würfeln, die aus Steinen aus Süddeutschland stammen, von Granit bis Sandstein.
Verbunden sind sie mit einem Bronzering, in dessen Innenkreis die Grundwerte der menschlichen Kultur zu lesen sind: Liebe geben, Maß halten, klug sein, Mut haben. In diesen Worten, die Philosophen in alter Zeit formuliert haben, erkennt Harald Fischer aus Holzmaden die "Weisheit des Lebens" - so hat er dieses Kunstwerk betitelt.
Die Zusammenstellung verrät: Eine philosophische Ader hat der 44-Jährige auch. Das komme wohl von seinem Beruf, meint er. Im Alltag stelle er Grabsteine her, sei also mit dem Tod konfrontiert, und das führe ihn zwangsläufig auch zu Fragen des Lebens. Seine Arbeit macht ihn zum Wanderer zwischen den Welten: "Ich erschaffe mit der Erstellung von Grabdenkmälern irrationale Werke - nämlich die Verbindung zwischen Diesseits und Jenseits."
Schon seit Herbst stehen die drei Kunstwerke im Kurpark von Bad Boll. Die Resonanz sei "ruhig und positiv", berichtet Fischer. Er hat gesehen, dass Leute an seinen Arbeiten stehen bleiben und sich angetan darüber unterhalten. Bekannte zollen ihm Anerkennung und bestätigen ihm das Interesse. Bleibt ihm nur noch zu wünschen, dass die Kunstwerke auch Käufer finden. Bis Sommer will er sie im Park belassen.
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Autor: JÜRGEN SCHÄFER | 10.02.2012
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Eine Stele, die den Tanz symbolisiert: Bürgermeister Hans-Rudi Bührle freut sich über Kunst von Harald Fischer im Kurpark Bad Boll. Foto: Giacinto Carlucci
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