Warten auf Intuition

Bad Boll.  Geduldig kombiniert Rudolf Bender Eingebung mit Intuition. Was herauskommt sind Bilder voller Assoziationen und Irritationen. Die Kreissparkasse Bad Boll stellt Benders "Ideeologien" derzeit aus.

Am Anfang ist die Holzplatte. Schmal, schlank und hoch, so dass sie gut an die Wand zwischen Kleiderschrank und Fenster passt. Rudolf Bender, Jahrgang 1950, malender Künstler und Kunsterzieher denkt pragmatisch und agiert empirisch. Warten. Solange bis sich die richtige Farbe findet. Wieder Warten. Auf einen Einfall, eine Eingebung, eine Erkenntnis. Wenn er oder sie auftaucht, heißt es zupacken und malen. "Paradise lost". Wir haben das Paradies gleich am Anfang verloren. Unter dem Feigenblatt der Verschwiegenheit offenbart es Bender warum.

Ein neuer Gedanke. Eine Zitrone. Das Gelb harmoniert perfekt mit dem Grün. Trägt der Apfel überhaupt Schuld? Das Paradies ist offen. Zwei goldenen Quadrate symbolisieren die Erzengel, die es bewachen. Adam und Eva stehen ihnen als Pole gegenüber; oben am Bildrand. Zwei Schandflecke, wieder quadratisch und diesmal schwarz. Bilder, die Rudolf Bender aus einer Mischung von Intuition und Inspiration entstehen lässt, erscheinen rätselhaft. Nicht immer lassen sich Elemente darin logisch verstehen, nicht immer sind sie das, wofür man glaubt, dass sie stehen. Eben Bilder in einem Bild aus Beziehungen. Rudolf Bender stellt seine Arbeiten derzeit in der Kreissparkasse Bad Boll aus. Mit den "Ideeologien - ein kleiner Einblick" zeigt er Arbeiten, die in den vergangenen 20 Jahren entstanden sind. Das Entscheidende finde im Kopf statt, erklärt Bender. Im 2. Stock vor dem Zugang zur Ausstellung weist er eindringlich und beispielhaft bildhaft darauf hin. Der Satz steht kleingedruckt unter einem Paar hastig entledigter, hochhackiger Frauenschuhe. Bender beherrscht den harmonischen Dialog. Den zwischen Farbe und Form mit Schriftzug und Symbolik. Benders Bild "imaginäre Improvisationen" liegt das Foto eines teergeflickten Radweges zugrunde. Weil nichts bleibt wie es ist wie es war. Man oder Bender muss nur geduldig abwarten können.


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Autor: HANS STEINHERR | 15.03.2010

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