Übers Meer ist mein Falke geflogen
Bad Boll. Abseits von Zeitgeist und Hektik zauberten Harald Immig und Ute Wolf mit Liedern über die Staufer eine wundersame Stimmung in die Stiftskirche.
"Woher kamen diese Staufer, man weiß es nicht genau", fragt sich fast sinnierend der Mann, der so fest mit dem Hohenstaufen verwurzelt und der Meinung ist: "Über den Wolken unter den Winden thront der schwäbische schönste Berg." Rund 250 Zuschauer kamen zu der beschaulichen Zeitreise mit alten wie neuen Liedern zur Geschichte der Staufer in die Stiftskirche Bad Boll, die laut Pfarrer Tobias Schart dank Stifterin Berta von Bollen geradezu perfekt als Veranstaltungsort passt.
Das musizierende Paar beeindruckt allein durch seine außergewöhnliche Präsenz, die stets von einem Hauch Mythologie umgeben ist. Harald Immig, der wuschelige Lockenkopf im purpurroten Samtgehrock, und Ute Wolf, die im mittelalterlichen Gewand kombiniert mit Lederhose und Stiefeln auftritt. Musikalisch zogen die beiden unter dem Titel "Letzte Blüte stolzer Rosen" von Burg zu Burg, ließen "Spielmann", "Barbarossa", "Frederico", "Enzio" und "Konradin" zu Wort kommen; und wenn des Künstlers Gitarre aus 1000 Jahre altem Moor-eichholz Pause hatte, erzählte er recht amüsant Wissenswertes über die große Stauferfamilie. "Über den Berg ist mein Liebster gezogen, weit übers Meer ist mein Falke geflogen, wenn er gedächte der heimlichen Nächte, dann käme er zurück. Einst verging ein Burgfräulein vor Kummer und Schmerzen und hoffte trunken vor Begehren auf die Rückkehr ihres Auserwählten. Doch dieser gedenkt weder der heimlichen Nächte noch kehrt er zurück." Seufz! Einschmeichelnde, gängige Melodien mit traurig-schönen, bisweilen besonnenen Texten, die ungeachtet ihrer etwas altmodisch klingenden Ausdrucksweise genau das ausdrücken, was auch heute noch Bestand hat: Liebe, Schmerz, Leiden, unerfüllte Träume und immerwährende Sehnsucht. Barde, Troubadour, Minnesänger oder Liedermacher, ganz egal in welche Sparte man Harald Immig steckt, sicher ist, er verneigt sich vor dieser Tradition und füllt perfekt diese Nische, weit entfernt von Zeitgeist und Hektik. Dazu passt hervorragend die Stimme der Mezzosopranistin Ute Wolf, die oftmals leise und tragend einfließt, um dann glockenhell gemeinsam im Duett mit harmonischem Gleichklang zu verschmelzen. Die Göppinger Freundinnen Dorothea Schmid-Klingbeil und Christa Blind sind hellauf begeistert: "Ute Wolf hat sich total gesteigert, ein fantastisches Konzert der beiden."
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Autor: SABINE ACKERMANN | 23.03.2011
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Sie ließen in ihrem Staufer-Programm "Barbarossa", "Frederico", "Enzio" und "Konradin" zu Wort kommen: Ute Wolf und Harald Immig. Foto: Ackermann
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