Tafelmusik wie am Hofe

Bad Boll.  Das Tübinger "ensemble nachtmusik" gastierte im königlichen Festsaal des Kurhauses Bad Boll. Nach zögerlichem Anfang steigerte es rasch das Niveau.

Eine "große blasende Musik" war mit dem Tübinger "ensemble nachtmusik" für die Bad Boller Reihe "Töne der Klassik" angekündigt worden. Bestehend aus Flöte (Wolfgang Sternefeld), zwei Oboen (Henriette Wagner, Frieder Haakh), zwei Klarinetten (Bernd Ernst, Frank Sattler), zwei Hörnern (Markus Narbe, Fabian Kurze) und zwei Fagotten (Ulrike Tsalos, Ann-Katrin Zimmermann) verfügte das Ensemble über satte, orchestrale Klangfülle im Tonnengewölbe des Saales: Diffiziler im Detail war dann immer wieder die dynamische Feinabstimmung der vier Bläserduos, um Durchsichtigkeit zu erzielen; hier könnte "nachtmusik" noch zulegen, denn häufig waren Begleitfiguren zu wichtig genommen worden, was vor allem die solistische Flöte und Klarinetten in den Hintergrund drängte. Die Werke für diese Besetzung sind gedacht für Sommerserenaden oder Tafelmusik am Hof: das passte also vorzüglich in den Festsaal, dessen Fenster der sommerlichen Schwüle wegen geöffnet waren.

Mit dem Oktett in F-Dur D 72 von Franz Schubert wurde der Abend eröffnet. Ein echtes Einspielstück: Über problematische Intonation der hohen Bläser und noch zögerliche Tempi fand "nachtmusik" zu kammermusikalischem Spiel. Zwei Werke von Mozart folgten. Die Serenade c-moll KV 388 hatte deutlich mehr Tiefgang. Wurde zunächst noch die eine oder andere Gelegenheit zu konsequentem Klangwechsel nicht genutzt, war das Zuspiel zwischen Oboe und Klarinette noch nicht gleichwertig, so fand die Interpretation gegen Ende zu deutlich größerer Homogenität.

Die berühmte Gran Partita B-Dur KV 361 begann mit rundem geschlossenem Klang und straffem Zug, was den häufigen Wiederholungen des kurzen Themas gut tat. Diese Flüssigkeit der Linien gelang im Menuetto nicht wieder, das anschließende Adagio dagegen lebte vom wunderbar großen Atem und weit ausschwingenden Bögen. Hier fand "nachtmusik" zu klar höherem Niveau, das sich im Allegro und im abschließenden Nonett des Romantikers Théodore Gouvry noch steigerte. Der strahlende Klang der souverän geblasenen Flöte setzte dem Ganzen die Krone auf; die einzelnen Instrumente kamen in dem aparten Werk gut zur Geltung. Mit genussvollem, spritzigem Musizieren klang das Konzert aus.

Die rasant und lebendig präsentierte Zugabe ließ manches akademische Zögern im Vorausgehenden endgültig vergessen.


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Autor: ULRICH KERNEN | 09.08.2011

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