Strategien gegen den Welthunger
Bad Boll. Die Hungernden sind weit weg - die Evangelische Akademie Bad Boll rückt sie in den Blick. Dort erörterten Fachleute Strategien gegen den Welthunger.
"Die Weltgemeinschaft wiegte sich in dem Traum, dass der Hunger auf dem Rückmarsch ist". So fasste Dr. Stefan Schmitz vom Bundesentwicklungsministerium die Stimmung zusammen, die vor der Welternährungskrise 2008 herrschte. Und das, obwohl seit den 60er Jahren die Zahl der Hungernden nahezu konstant bei 850 Millionen lag. Erst als ihre Zahl im letzten Jahr auf über eine Milliarde stieg, nahm die Welt das Hungerproblem wieder zu Kenntnis. Es sei nur die Spitze des Eisbergs, die wir derzeit sehen, so Schmitz in der Evangelischen Akademie Bad Boll, die sich mit Strategien zur Ernährungssicherung speziell in Afrika südlich der Sahara auseinandersetzt. Dort leben die meisten Hungernden - die meisten in ländlichen Gebieten.
Hauptursache des Hungers in Afrika sind klima- und wetterbedingte Ernteausfälle. "Weder die Bevölkerung noch die Staaten haben die Kapazität, sich an den Klimawandel anzupassen. Die Bevölkerung ist meistens so arm, dass eine zusätzliche Dürre oder Überschwemmung sofort zur Katastrophe führt", betonte Dr. Bernhard Walter von "Brot für die Welt". Außerdem sind die afrikanischen Kleinbauern zu arm, um sich Düngemittel zu kaufen. In Deutschland streut ein Bauer 80 Kilo auf einen Hektar, in Afrika sind es drei. Daher hat ein deutscher Bauer auch einen zehnmal so hohen Getreideertrag wie sein Kollege in Burkina Faso.
Die Kleinbauern waren die Verlierer der letzten 30 Jahre. Die internationale Gebergemeinschaft fuhr die Mittel für die ländliche Entwicklung drastisch zurück, Billigimporte vom Weltmarkt zerstörten die nationalen Agrarmärkte, die nationalen Regierungen ließen ihre Kleinbauern links liegen. Und so forderte Jobst Kraus, Studienleiter an der Akademie Bad Boll, "die Landwirtschaft muss wieder in den Mittelpunkt gerückt werden."
Kraus verwies dazu auf den Weltagrarbericht, der eine radikale Wende in der Agrarpolitik und Forschung fordert. Dies müsse vor allem auch für die Industriestaaten gelten, "weil man sich weltweit immer noch an den Industriestaaten orientiert. Wir müssen hier in Deutschland eine solar-solidarische Landwirtschaft aufbauen."
Das Bundesentwicklungsministerium hat reagiert. "Wir arbeiten an einem völlig neuen Konzept", so Schmitz. "In Zukunft wird der Kleinbauer in Afrika im Mittelpunkt stehen."
Auch die Staatengemeinschaft wurde aktiv. So wurde eine globale Partnerschaft für Ernährungssicherung ins Leben gerufen, der auch Deutschland angehört. "Aus unserer Sicht sind die Weichen gestellt, dass die Ernährungssicherung weiterhin ein globales Thema bleibt," so Astrid Jakobs de Pádua vom Bundesernährungsministerium.
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03.03.2010
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