Sprossen bringen Farbe auf den Teller

Bad Boll.  "Arbeiten und genießen in der Mensa": Zu einem Werkstattgespräch in Sachen Schulverpflegung haben sich 30 Fachleute in Bad Boll getroffen. Eingeladen hatte eine Vernetzungsstelle des Landes.

Vom "harmlosen Anfang" über den Pausenverkauf durch den Förderverein zur ersten Mensa-Mahlzeit im Jahr 2005 berichtete der Schulleiter der Heinrich-Schickhardt-Schule Bad Boll, Thomas Schnell. Der Einladung zum Werkstatt-Austausch folgten Frauen und Männer aus der Region, die sich beruflich oder ehrenamtlich dem Thema Schulverpflegung, möglichst gesund und möglichst schmackhaft, verschrieben haben.

"Hätten wir anfangs von der Vernetzungsstelle gewusst, hätte uns das viel erspart", flocht Rektor Schnell in seinen unterhaltsamen Erfahrungsbericht in der Bad Boller Mensa ein. Gab es angesichts herumfliegenden Essens beim ersten Mittagstisch noch die Forderung: "Das muss sofort aufhören", ist das warme Essen an Schultagen mit Nachmittagsunterricht inzwischen nicht mehr wegzudenken. Vom ehrenamtlich Gekochten über die Beschäftigung der Mensamütter Gaby Geiger und Jutta Diekmann im geringen Umfang durch den Förderverein bis zur Übernahme des Mensabetriebs durch die Gemeinde war es ein langer Weg, der ein hohes Maß an Engagement und Kreativität forderte.

Mit Hilfe der Gemeindeverwaltung wurde ein Weg gefunden, der die finanzielle Bürde vom Förderverein nahm, der versucht hatte, mit Weihnachtsmarktverkauf und Rockkonzerten das Defizit aus der Schülerverpflegung aufzufangen. Dennoch, so betonte Bürgermeister Hans-Rudi Bührle, funktioniere eine Schul-Mensa nicht ohne das Ehrenamt. Über den Tellerrand zu schauen, empfahl Britta Selig von der Vernetzungsstelle, die Praxisbegleiter rund um das Thema Schulverpflegung ist.

Mensa sei nicht ein Konzept, sondern müsse stets die Eigenheit jeder Schule und ihres Standorts berücksichtigen. Einen Trend beobachtet die Fachfrau der Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung jedoch in allen Regionen: Selbst frisch kochen, wie in Bad Boll, ist eher ein Auslaufmodell. Catering bzw. das Fertigstellen von vorbereiteten Menues sind inzwischen die Regel. Einblicke in Möglichkeiten der Kreativität bei der Ausgabe des Essens gab Benjamin Klein, Koch im Badhotel Stauferland beim Workshop "Anrichten, Ausgeben und Garnieren". Mit "Sprossen bringen Farbe auf den Teller", warb der Koch dafür, auch bei der Ausgabe vieler Essen nicht zu vergessen, dass das Auge mit isst.

Um Marketing-Strategien ging es auch: "Wie macht man aus Schülern Stammkunden, wie erreicht man dauerhaft Essenszahlen, die sich lohnen?", fragt die unabhängige Verpflegungsbeauftragte Sabine Chilla mit Blick auf Marketingstrategien von Imbissketten. Entscheidender Faktor sei, dass die Schüler die Mensa als Treffpunkt erleben und sich dort wohl fühlen.


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Autor: CLAUDIA MÜLLER | 10.03.2010

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