Sprachmächtiger Brückenbauer

Bad Boll.  Die Evangelische Akademie Bad Boll trauert um ihren früheren Direktor Manfred Fischer. Er starb 76-jährig nach langer Krankheit.

Manfred Fischer, Geschäftsführender Direktor der Akademie Bad Boll von 1988 bis 1996, fühlte sich der ökumenischen Leitidee "Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung" verpflichtet. Dies wurde erkennbar in zahlreichen Stellungnahmen, beispielsweise zur Friedens- und Umweltbewegung. Kurz nach seinem Amtsantritt sagte er, "praktischer Materialismus" sei die vorherrschende Weltanschauung. Die Welt sei zum "Selbstbedienungsladen" und der Mensch zum "hoch spezialisierten Egoisten verkommen". Besonders setzte er sich dafür ein, die Gesprächsfähigkeit zu erhalten und im Dialog zu Lösungen für Probleme der Gesellschaft zu kommen.

"Manfred Fischer hat darauf hingewirkt, dass in einer auseinanderstrebenden Gesellschaft Brücken gebaut werden", würdigt Landesbischof Frank Otfried July den Verstorbenen. Seine Liebe zur Sprache habe ihm geholfen, Menschen aus unterschiedlichen Milieus miteinander ins Gespräch zu bringen. "Dabei hat er seine eigene theologische Position deutlich vertreten: Der öffentliche Anspruch des Evangeliums muss unüberhörbar in einer Gesellschaft wahrzunehmen sein", so July.

Akademiedirektor Joachim Beck betonte die Sprachmächtigkeit seines Vorgängers, mit der er theologische und gesellschaftspolitische Fragestellungen in Beziehung setzte. "Als feinsinniger und engagierter Theologe begleitete er wachsam gesellschaftliche Entwicklungen und unterstützte Menschen, die Verantwortung in Wirtschaft, Politik und Verwaltung tragen."

Fischer war im Direktorenteam der Akademie verantwortlich für Strukturveränderungen in den 90er Jahren. Die Tagungsarbeit wurde damals auf Bad Boll konzentriert. Der gebürtige Königsberger begann seine Laufbahn als Pfarrer für landeskirchliche Schülerarbeit und Gemeindepfarrer in Stuttgart-Hohenheim. 1980 kam er nach Bad Boll.


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11.03.2010

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