Politik zum Anfassen

Dürnau.  Sie ist auf dem Sprung zur Weltbühne: Heidi Eitle aus Dürnau wird Katar bei der UNO in New York vertreten - bei einem Rollenspiel von 5000 Studenten.

Die Vereinten Nationen sind für uns ein fernes Gebilde. Aber an der Hochschule Reutlingen hat man sie im Blick: Schon zum vierten Mal schickt sie eine Delegation zu einem UNO-Rollenspiel. Die Idee: Studenten aus aller Welt denken sich in die Staaten der Welt hinein und diskutieren aus deren Sicht die weltweiten Probleme. Reden halten, debattieren, Verbündete suchen, Resolutionen erarbeiten - das ist das Programm.

Heidi Eitle wäre schon im ersten Semester gerne dabei gewesen. Kolumbien war damals der Staat, den die Reutlinger vertraten. "Aber ich dachte, meine Chancen sind gering", sagt sie - die älteren Studenten haben Vorfahrt. Jetzt ist sie im fünften Semester, gehört selber zu den alten Hasen, und hat sich erfolgreich beworben. Es ist freilich auch die letzte Gelegenheit. Demnächst folgen Praktikum und Auslandssemester, das führt sie von der Hochschule weg.

Für die 23-Jährige erfüllt sich ein Traum, der allerdings mit reichlich Arbeit verbunden ist. Was ihr erst so recht bewusst ist, seit in den Vorbereitungen steckt. Die "UN-Simulation" läuft außerhalb ihres Studienprogramms der Internationalen Betriebswirtschaft und bringt ihr für die Prüfungen nichts. Für spätere Bewerbungen vielleicht schon. Entscheidend ist für Heidi Eitle die Gelegenheit, "über den Tellerrand hinauszublicken, in die Politik hinein." Auslandserfahrung bringt sie mit. Die frühere Mögy-Schülerin war ein halbes Jahr an einer High-School in den USA. Später hat sie in Barcelona beim Autobauer Seat ein Praktikum gemacht.

Die Dürnauerin wird Katar nicht allein vertreten. Die Delegation der Hochschule Reutlingen zählt 22 Köpfe, die sich auf zehn Komitees der UNO verteilen. Heidi Eitle ist für die Unicef eingeteilt. Da hat sie es mit harten Themen zu tun. Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung, Kinderarbeit, Kindersoldaten, kriegsversehrte Kinder, Jugendkriminalität.

Welche Standpunkte Katar dazu einnimmt, das recherchiert Heidi Eitle seit Wochen und Monaten. "Viel erfahre ich über das Internet", erzählt sie. Sie sucht nach alten UN-Beschlüssen, studiert Länderanalysen von Bertelsmann, sichtet Reportagen, surft bei You Tube. Die Grundlinie kennt sie freilich schon: "Katar ist ein ziemlich fortschrittliches Land in der arabischen Welt. Da gibts das Frauenwahlrecht und zwei Ministerinnen. Auf internationalem Parkett versucht das Land zu vermitteln." Damit kann sie mehr anfangen als mit Kolumbien, das vor zwei Jahren zur Debatte stand.

Bald geht es in die heiße Phase. Anfang Februar wird die Delegation aus Reutlingen die Botschaft von Katar in Berlin besuchen, um sich dort aus erster Hand über das Land zu informieren. Auch die katarische Botschaft in New York steht noch auf dem Programm, bevor die Sitzungswoche im April beginnt. Auch Kuweit hat die Hochschule Reutlingen schon vertreten. Die Kuweitis waren davon so begeistert, dass sie die Reisekosten übernahmen.


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Autor: JÜRGEN SCHÄFER | 11.01.2012

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