Per Ladebrief zum Sommerfest
Bad Ditzenbach. Straßenfeste, Kinderfeste, Jubiläumsfeste - gefeiert wird im Kreis seit Wochen an allen Ecken und Enden. Aber nur die Auendorfer bitten so manche Gäste per Ladebrief zu ihrem Sommerfest.
"Am letzta Julitag, am Samschtich fanga mr a. Ond am ersta August am Sonndich, gohts weiter", klärt eine Einheimische den "Geppinger Bsuach" aus der Stadt via "Ladbriaf" über das anstehende Sommerfestwochenende auf. In gemütlicher Runde sitzt das Festkomitee im früheren Sitzungssaal des Auendorfer Rathauses und hört zu, wie Pfarrerin Johanna Raumer ihren selbst verfassten Ladebrief im Namen des Gemischten Chors, der Schützengesellschaft sowie der Evangelischen Kirchengemeinde vorliest. Menschen, die einst eng mit dem Ort verbunden waren oder noch immer sind, werden seit langem via Ladebrief persönlich zum zweitägigen Sommerfest eingeladen. "Da kommen heuer genau 252 Briefe zusammen, manche gehen sogar bis nach Lanzarote, Florenz oder Hamburg", verrät "Postillon" Andreas Späth.
Das erfahrene Gremium von über 20 Leuten nimmt es sehr genau mit den alten Traditionen und will an ihnen festhalten. Dazu gehören bei der mittlerweile 35. Auflage Geselligkeit nicht nur der Gottesdienst im Zelt oder Unterhaltung mit den Brüdern Daniel und Steffen, sondern auch mehrere Festausschusssitzungen, wobei bei einer davon die Weinprobe stets zur Chefsache erklärt wird.
"Weil wir bei unserem Hock sehr viel Wert auf gute Qualität legen, probieren wir vorher einige weiße und rote Baden-Württemberger Weine", erklärt Kirchenpflegerin Lore Späth das Ritual. "Stimmt, wir wollen keinen Gruscht verkaufen", fügt Ernst Neubrand lachend hinzu. Auf dem Tisch stehen leckere Rauchfleischröllchen, Käsewürfel und köstlich duftendes Bauernbrot, das wie auch am kommenden Wochenende frisch gebacken aus dem Holzofen kommt. Zudem hat jeder ein kleines Probiergläschen vor sich stehen und fortan wird aus den verschiedenen Flaschen Runde um Runde eingeschenkt.
"Den Willsbach Riesling Silvaner find ich nicht schlecht", meint Björn Boysen der mit seinem Kumpel Michael Späth zum Schützenverein gehört. Trotz ihrer Jugend halten beide zum einen gerne an so alten Gepflogenheiten fest, scheuen sich zum anderen aber auch nicht vor der vielen Arbeit, die rund ums Festwochenende anfällt.
Wie überall in den Vereinen steht in Auendorf ein Generationenwechsel ins Haus, und deshalb wurden schon vor Wochen Zettel zum Mitmachen im Ort verteilt. "Die Jugendlichen müssen dabei keine Aufnahmeprüfung absolvieren oder werden gar rekrutiert. Im Gegenteil: Sie werden bei uns ernst genommen und bekommen viel Verantwortung übertragen", sind sich die alten Hasen einig.
Info Das Auendorfer Sommerfest beginnt am Samstag um 18 Uhr, ab 20 Uhr singen Daniel und Steffen. Am Sonntag um 10 Uhr predigt Pfarrerin Raumer auf schwäbisch im Zelt, ab 14 Uhr spielt der Musikverein Gosbach und ab 18 Uhr Tanz und Stimmung mit "Dine & Robi".
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Autor: SABINE ACKERMANN | 30.07.2010
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Nach altem Brauch: Die Pfarrerin verliest den Ladbrief zum Auendorfer Sommerfest. Foto: Sabine Ackermann
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