Neuer Ofen fürs alte Backhaus in Schlat

Schlat.  Der große Backofen im Backhaus hat ausgedient. Auf ihr kommunikatives Backzentrum aber wollen die Schlater nicht verzichten. Mit Spendengeldern wurde ein neuer Ofen angeschafft.

In Dänemark und in Schweden sei er schon gewesen und überall habe er Backöfen gesetzt, erklärt Hans Müller nicht ohne Stolz. Jetzt steht der 56-Jährige vor dem Problem, einen neuen, mehr als zwei Tonnen schweren Brotbackofen - 170 Zentimeter lang und 90 Zentimeter breit - zuerst durch die schmale Tür des Schlater Backhauses und dann gut einen Meter in die Höhe zu hieven.

Seit dem Jahr 1865 wird im Schlater Backhaus Brot gebacken. Früher ausgenommen sonntags täglich und in Schichten hintereinander weg. "Heute immer noch zwei bis drei Mal die Woche", weiß die Schlater Bürgermeisterin Gudrun Flogaus. Doch inzwischen sind der große und der kleine Backofen - ausgelegt für 28 und 22 Brotlaibe - in die Jahre gekommen, sind altbacken geworden.

Der kleine kann wohl nochmals saniert werden, für den großen aber brauchte es einen Ersatz. Ein kommunikatives Zentrum ist das Backhaus einmal im Dorf gewesen. Beim Backen wurden untereinander Neuigkeiten ausgetauscht. Und auf ihr Backhaus wollen die Schlater auch weiterhin nicht verzichten.

Schon im Frühjahr des vergangenen Jahres war Schlats Bürgermeisterin von Conny Frey, der Vorsitzenden der Landfrauen auf die Misere mit den Öfen angesprochen worden. Im Oktober dann reisten beide zusammen mit mehreren Backhausfrauen und -männern ins oberschwäbische Heiligkreuztal zur Firma Häussler. "Häussler stellt Backöfen her und liefert in alle Welt", erklärt Hans Müller, der Ofensetzer. Er hat das Problem mit der schmalen Schlater Backhaustür mittlerweile gelöst. So geht es: Hochkant und mit Hilfe eines Hubwagens.

5000 Euro hatte der Gemeinderat für die Backhausrenovierung und Erneuerung des Ofens eingeplant. Zu wenig, wie sich zeigte. Die Neubeschaffung jetzt kostet gut das Doppelte. Ein Aufruf im Gemeindeblatt half. Die Schlater Bürger waren bereit für ihr Backhäusle Geld zu geben. Ein Großteil der Spendengelder stammt vom bekanntesten Gastwirt im Dorf. "Wir haben uns nach der Infofahrt mit allen Backhausnutzern beraten und wieder für einen Holzbackofen entschieden", erklärt Gudrun Flogaus. "Obwohl bei einem Probebacken das Brot aus dem Elektroofen nicht anders geschmeckt hat."

Hans Müller hat inzwischen einen Rohreinsatz am Kamin eingemauert und den Ofen wieder in die Waagrechte und ins Wasser gesetzt. Der Boden im Inneren muss eben sein. Zuunterst ist Quarzsand ausgeschüttet. Der hält die Hitze. Darüber wird der Backboden ausgelegt. 30 mal 30 Zentimeter große und fünf Zentimeter starke Schamottesteine.

Es dauert bis in den Abend hinein, dann hat Müller wieder mal einen Backofen gesetzt. Es sei geplant, nun auch noch den Nebenraum, das ehemalige Waschhaus zu sanieren, sagt Gudrun Flogaus. Spätestens zum nächsten Apfelfeschd werden die Schlater dann wieder über ein intaktes Backhaus verfügen.


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Autor: HANS STEINHERR | 03.02.2012

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