Neue Rohre fürs Thermalwasser

Bad Boll.  Nach 35 Jahren wird die Thermalwasserleitung in Bad Boll ausgewechselt. Grund: Sie hat zuviel Wärmeverlust. Eine weitere Nutzung des Thermalwassers für Heizzwecke ist aber in weiter Ferne.

Nur 63 Millimeter Durchmesser hat das Rohr, mit dem das Thermalbad in Bad Boll gespeist wird. Die Leitung führt vom Pumpwerk, einem unscheinbaren Bauwerk am Rand des Badwasens, zum Kurhaus. Fast einen halben Kilometer ist sie lang. 35 Jahre hat sie schon auf dem Buckel. Bisher ist sie dicht. Aber das reicht nicht. "Die Leitung hat einen erheblichen Wärmeverlust", sagt Bürgermeister Hans-Rudi Bührle. Schon letztes Jahr wollte man sie austauschen.

Zugewartet hat die Thermalbad-gesellschaft, bei der die Gemeinde Bad Boll Mehrheitsgesellschafter ist, weil auch andere Leitungen in dieser Ecke zu verlegen sind: eine neue Wasserleitung für das Kurhaus und eine Abwasserleitung zu den Thermalbadgrundstücken, wo die Wala bauen will. Wenn dies in einem Aufwasch geschieht, "bekommen wir Synergieeffekt", freut sich Bührle. Es handelt sich um ein Gesamtpaket von mehreren 100 000 Euro. Dabei wird die Trasse verschwenkt. Die alte Thermalwasserleitung liegt unter Asphalt und Pflaster, die neue soll parallel dazu in bloßer Erde gelegt werden.

Das Problem der Thermalwasserleitung ist alt. Sie stammt aus den 70er-Jahren, als man noch wenig von Isolierung hielt. "Die Leitung ist nur teilweise isoliert", weiß der Technische Leiter des Kurhauses, Alexander Lange. Folge: Auf einem halben Kilometer Länge verliert sie zehn Grad und mehr. Mit 49 Grad kommt das Wasser aus dem Boden, aus einer Tiefe von gut 500 Metern. Wie viel es noch am Kurhaus sind: "Einiges über 34, 35 Grad", sagt die Geschäftsführerin Birgit Kälbling. Aber: "Es gibt einige Tage im Jahr, an denen wir nachheizen müssen", verdeutlicht Lange. An kalten Wintertagen wie jetzt mache sich die große Wasseroberfläche bemerkbar. Der Wärmebedarf ist groß, das Wasser braucht ständiges Umwälzen und Zuführung. Mit steigenden Energiepreisen tun die Wärmeverluste zunehmend weh.

Technisch ist es kein Problem, den Wärmeverlust fast auf Null zu verringern. "Die neue Leitung wird nur Verluste im Nullkommabereich haben", freut sich die Geschäftsführerin.

Mehr anfangen lässt sich mit dem heißen Wasser aber nicht, das tief im Boden unter Bad Boll schlummert. Die Diakonie Stetten hatte die Hoffnung, damit auch das Kurhaus mit Wärme zu versorgen. Nicht mit der jetzigen Quelle wohlgemerkt, obwohl die viel mehr liefern könnte. Sie bringt zehn Sekundenliter, weiß Bührle, das Thermalbad braucht nur etwa 12 000 Kubikmeter im Jahr. Aber die Thermalbad-GmbH hat keine Genehmigung für eine Entnahme in großen Mengen, und daran will das Kurhaus auch nicht rütteln. Eine zweite Quelle müsste erschlossen werden.

Dazu gab es Untersuchungen, eine Fachfirma war vor Ort. Das Ergebnis ist wacklig, sagt Lange: "Man müsste viel investieren, ohne Gewissheit auf Erfolg zu haben." Denn so einfach es sich anhört, das Thermalwasser in der Tiefe ein zweites Mal anzuzapfen - die Geologie hat ihre Risiken. "Es gibt kein vergleichbares Beispiel anderswo, auf das wir uns verlassen können", sagt Lange. Die Geologie ist überall anders und hat am Albtrauf ihre Risiken. Die Unsicherheit: "Man weiß nicht, wie sich eine solche Quelle entwickelt." Investieren müsste man nicht nur in eine Bohrung, sondern auch in eine Rückführung des Wassers. Es muss bei einer größeren Entnahme wieder in den Boden gebracht werden, sagt Lange, so verlangt das der Gesetzgeber. Mit Schluckbrunnen und einem neuen System. So begräbt die Diakonie Stetten ihre Hoffnungen auch wieder. "Es ist nichts geplant", winkt die Geschäftsführerin ab.

Für das jetzige Thermalbad-Wasser ist kein Schluckbrunnen nötig, weil die Menge vergleichsweise gering ist. Es wandert nach dem "Verbrauch" im Badhaus schlicht und einfach in den Bach, der idealerweise neben dem Kurhaus verläuft. Allerdings muss es dazu heruntergekühlt werden, um den Naturhaushalt im Bach nicht zu erschüttern. Das geschieht mit einer Wärmepumpe, die die Energie entzieht. Das sieht der technische Leiter nicht als Energieverschwendung. "Wir holen aus dem Wasser Energie, die wird auch wieder genutzt."


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Autor: JÜRGEN SCHÄFER | 07.02.2012

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