"Land nicht attraktiv für Ausländer" Willkommenskultur in Deutschland gefordert

Bad Boll.  Deutschland ist für ausländische Arbeitnehmer nicht attraktiv genug. Das sagte Arbeitsagentur-Vorstand Raimund Becker bei einer Tagung in Boll.

"Wir haben es in der Vergangenheit versäumt, Menschen aus dem Ausland das Gefühl zu vermitteln, willkommen zu sein", sagte Raimund Becker, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, bei einer Fachtagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll.

"Es gibt auch in Deutschland viel Potenzial, um Fachkräfte zu gewinnen, etwa bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bei Migranten oder Erwerbslosen. Die Bundesagentur plädiert dennoch für eine gesteuerte Zuwanderung", so Becker. Ohne diese werde Deutschland in den kommenden Jahrzehnten einen gravierenden Mangel an Fachkräften haben.

Becker kritisierte, Deutschland habe sich lange der vollständigen Freizügigkeit für Arbeitnehmer in der Europäischen Union verweigert. So hätten Fachkräfte etwa aus Polen Jobs in anderen EU-Staaten angenommen. Mittlerweile gebe es erste positive Signale aus der Politik, bürokratische Hürden für qualifizierte Arbeitnehmer bei der Einwanderung würden abgebaut. "Aber das sind erste Schritte. Je länger das alles dauert, desto schwieriger wird es", so Becker. Trotz der hohen Arbeitslosigkeit etwa in Spanien verzeichne die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit keinen Ansturm spanischer Ingenieure und anderer Fachkräfte. Das werde angesichts des demografischen Wandels für Probleme sorgen.

Schon jetzt stehe das Land vor diesen Schwierigkeiten, konstatierte der SPD-Landtagsabgeordnete und Mittelstandsbeauftragte der Landesregierung, Peter Hofelich: "Uns fehlen 20 000 Ingenieure." Er sagte, dass vor allem kleine und mittelständische Betriebe Probleme hätten, qualifizierten Nachwuchs zu finden. Sie verfügten im Gegensatz zu großen Unternehmen nicht über die Mittel, um junge Menschen selbst nachzuqualifizieren. Zu viele Jugendliche verließen die Schule, ohne die Anforderungen für Ausbildung oder Job zu erfüllen. "Deshalb führt die Landesregierung die Gemeinschaftsschule ein, die möglichst viele Jugendliche zum Realschul-Abschluss und in die duale Ausbildung führen soll", sagte Hofelich. pm


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Autor: SWP | 01.12.2011

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