Kurhaus noch Sorgenkind

Bad Boll.  Die Reha-Klinik Bad Boll ist noch immer ein Sorgenkind der Diakonie Stetten. Das Mutterhaus hat viel Geld investiert und hofft auf schwarze Zahlen.

Ein ernster Ton zog sich durch die feierliche Amtseinsetzung der neuen Geschäftsführerin der Reha-Klinik Bad Boll, Birgit Kälbling. Der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Stetten, die das Kurhaus vor elf Jahren übernommen hat, blickte mit großer Sorge auf die wirtschaftliche Situation: Die sei finanziell angespannt und schwierig, malte Pfarrer Rainer Hinzen aus. Man habe die Pflegesätze, also die Preise für die Belegung, früher "nicht so ganz wichtig genommen", weil man ein geistlich-diakonisches Zentrum schaffen wollte.

Das war die Ausgangssituation: Ein Betrieb mit unterdurchschnittlichen Preisen und herkömmlichem Standard. Heute ist der Standard hoch, aber die Preise sind immer noch zu niedrig, klagt der Chef der Diakonie Stetten. Dabei spielen die Turbulenzen der Gesundheitspolitik und der Wirtschaftskrise praktisch keine Rolle, sagt er. Die Reha-Klinik kranke an ihrem Preisniveau, sie brauche auskömmliche Sätze. Preise, die sie auch wert sei. Ob sie die bekommt, liegt an den Kassen.

Den langen Atem hat die Diakonie Stetten bewiesen: Sie baute für etliche Millionen ein neues Bettenhaus und ein neues Thermalbad, außerdem wurde die Physiotherapie hochgefahren. Chefarzt Dr. Helmut Tüchert erinnert sich, dass er vor neun Jahren mit der Aufgabe eingestellt wurde, "das in die Jahre gekommene und träge dahindümpelnde Schiff wieder in Fahrt zu bringen." Qualitativ sei das gelungen, bescheinigt man ihm in Stetten. Die Reha-Klink Bad Boll stehe auf Augenhöhe mit den renommierten Kliniken im Land. Tüchert zählt auf: Orthopädie, Rheumatologie, und Schmerztherapie sind als Schwerpunkte hinzugekommen. "Wir sind ein Markenzeichen im Raum Stuttgart", sagt er selbstbewusst. Einen wesentlichen Beitrag habe dazu die neue Geschäftsführerin Birgit Kälbling mit der Zertifizierung geleistet, sagt Hinzen. Und die Belegungszahlen gehen nach oben: Das Haus sei 2008 ausgelastet gewesen wie nie, es habe nahezu Vollbelegung.

Nur eben: Die Einnahmen stimmen nicht. Dies zu ändern, ist die Großaufgabe der neuen Chefin in Bad Boll. Als bisherige stellvertretende Geschäftsführerin weiß Birgit Kälbling selbst am besten, wie groß die Herausforderung ist.

Das Damoklesschwert hängt noch nicht über dem Kurhaus. Hinzen kann beruhigen: "Einen Personalabbau planen wir nicht." Er denke lediglich an "Optimierungen" an der einen oder anderen Stelle. Derzeit hat das Haus 150 Beschäftigte in Voll- und Teilzeit. Für die Zukunft kann Hinzen freilich nichts versprechen. "Eine Bestandsgarantie können wir nicht geben." Er bekräftigt, dass er das Vertrauen in die neue Geschäftsführerin und die komplette Belegschaft habe, dass sie die Situation meistern. Ein positives Signal gab dazu der Chef der AOK Neckar/Fils, Dieter Kress: "Ich glaube, wir kriegen was miteinander hin, weil wir die Qualität des Hauses schätzen."


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Autor: JÜRGEN SCHÄFER | 11.03.2010

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