Kunst im Ort hautnah erleben

Gammelshausen.  Zahlreiche kunstinteressierte Besucher zog am vergangenen Wochenende die Ausstellung "Kunst im Ort" in Gammelshausen an. Im Gemeindehaus präsentierten sieben Künstler ihre Werke.

Klein aber fein, sei die Ausstellung in Gammelshausen, versprach Bürgermeister Hans-Peter Zaunseder und behielt recht. Einmal mehr zeigte sich, dass Kunstausstellungen in kleinen Ortschaften, denen in Städten qualitativ in nichts nachstehen. Die zahlreichen Besucher waren fasziniert und begeistert von dem, was die sieben Künstler präsentierten. Vor dem Gemeindehaus konnten sie am Samstagabend live miterleben, wie Metallskulpturen entstehen. In klirrender Kälte zeigte Herbert Häbich, umgeben von sprühenden Funken, seine Schmiedekunst.

Drinnen wurden die Gäste von molliger Wärme und erstaunlichen Werken umfangen. Dieter Gaiss den 2008 der Kettenssägevirus befallen hat, präsentierte filigran ausgearbeitete Stuhlskulpturen, aus Obstholzstämmen von Streuobstwiesen aus dem Voralbland. Stühle mit herausgearbeiteten Charaktereigenschaften, die den "Muskelprotz" am breiten Kreuz oder die "Steife Brise" an der Schräglage erkennen lassen. Fasziniert wurde der Hochzeitsstuhl "Zwei aus einem Holz" betrachtet, der durch eine wie schwebend wirkende rote Glaskugel verbunden ist.

Großformatige, abstrakte Bilder zeigte Marion Gaiss, die sich vom Gegenständlichen verabschiedet hat. Sie liebt es neuerdings, ohne großen Plan, ganz intuitiv und emotional zu arbeiten. Ihre Collagen in denen neben Farbe und Spachtelmassen auch Fliegengitter, Wellpappe, Mull, Rupfen, Spitze und andere Strukturen schaffende Materialien verarbeitet sind, reizten zum Anfassen und Fühlen. Auch über die originellen Mosaikkunstwerke von Elke Widenmann, bei denen bei genauer Betrachtung viele überraschende Details entdeckt werden konnten, glitt so mancher Finger. Ein silbernes Löffelchen im Schuh? Ja klar, ein Schuhlöffel! Ob Babyschuh, Highheel, Chuck, Dessous oder Handtäschchen - Elke Widenmann macht aus Dingen, die Frauen lieben und sammeln, ein buntes Mosaikwerk für die Ewigkeit.

Das Thema Frau beschäftigte auch Tanja Joos, die in ihren farbigen, oft pastellig anmutenden Acrylbildern nicht nur die Stimmungen und Gesichtsausdrücke von Frauen einfing, sondern auch die Dinge, mit denen Frauen sich gern umgeben. Hier eine Katze als Kragen, dort ein schickes Dessous, ein romantisches Wannenbad oder ein leckerer Eisbecher. Gertrud Gölz beschäftigte bei der Schaffung ihrer Keramikfiguren der Mensch und seine Belastungen. Die Lebensspuren und Risse, die entstehen, wenn er sich zu viel aufbürden lässt. Auf der Rückseite der Figuren ist in Porzellan eingebrannter Schrift zu lesen: "Wies drin aussieht, geht keinen was an?" Herausblitzendes Gold gewährt an einigen Stellen kleine Einblicke ins Innere.

Menschen haben es auch Detlev Schorlau angetan. Sein Figurenzyklus zeigt sie abstrahiert allein und einsam in schwarz-weiß, in fröhlich bunten Gruppen, als sich zugeneigtes oder voneinander abgewandtes Paar. Heinrich Domes, der die Künstler und ihr Schaffen vorstellte, brachte es auf den Punkt: "Ausstellungen wie diese geben Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit der Kunst. Ich möchte die Gemeinde zu der Überlegung ermuntern, ob Kunst im Ort nicht der Fortführung wert wäre."


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Autor: INGE CZEMMEL | 06.02.2012

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