Kindern eine Zukunft geben
Bad Boll. "Er ist der Einzige, der in Afghanistan etwas Vernünftiges macht": Dieses Lob zollt Dr. Gerhardus Lang aus Bad Boll dem Gründer der Kinderhilfe Afghanistan, den er mit einer Hilfsaktion unterstützen will.
Hilfe aus Bad Boll für eine weitere Friedensschule in Afghanistan: Das schwebt dem homöopathischen Arzt und früheren Gemeinderat Gerhardus Lang vor. Lieber heute als morgen sähe er sie auf den Weg gebracht, er will keine Zeit verlieren und hätte sich den Bad Boller "Nationalfeiertag" am 3. Oktober als Startschuss gewünscht. Seine Idee: Lang will das historische Dachterrassen-Geländer der Alten Apotheke in Bad Boll versteigern und hofft, dass dies gleich noch eine Spendenwelle auslöst. Aber er muss sich gedulden. Erst muss noch der Gemeinderat entscheiden, ob er die Aktion anschiebt. Und so mag sie in die Vorweihnachtszeit fallen.
Was Lang so beflügelt, ist das Lebenswerk eines Mannes, den hierzulande kaum einer kennt: Dr. Reinhard Erös, Arzt aus Regensburg und Entwicklungshelfer mitten im Land der Taliban. Er hat es fertiggebracht, in den Ostprovinzen Afghanistans mehr als zwei Dutzend Friedensschulen und Gesundheitstationen aufzubauen. Nicht allein, sondern mit seiner Frau und seinen fünf Kindern. Die ganze Familie hat dort jahrelang gelebt. Jetzt leitet sie ein Hilfswerk, das afghanische Lehrer und Ärzte mit Spenden aus Deutschland bezahlt.
Noch besonders beeindruckt hat den Bad Boller Arzt Gerhardus Lang, dass Erös schon in den 80er Jahren nach Afghanistan ging. Da kämpften dort noch die "Gotteskrieger" gegen die russischen Besatzer. Der Regensburger arbeitete als Ärztlicher Leiter einer deutschen Hilfsorganisation im afghanischen Kriegsgebiet. "Über 180 000 Kranke und Verletzte pro Jahr wurden in Afghanistan unter schwierigen und gefährlichen Kriegsbedingungen medizinisch versorgt", heißt es auf der Homepage des Kinderhilfswerks. Ein Bild zeigt den ehemaligen Bundeswehr-Arzt 1989 in einer "Höhlenklinik".
Ausgangspunkt Peschawar: In dieser Grenzstadt zwischen Afghanistan und Pakistan, mitten im Land der Paschtunen, lagen die Anfänge der Kinderhilfe Afghanistans. Annette Erös hat dort 1988 eine europäische Schule gegründet, die zehn Jahre später für afghanische Flüchtlingsmädchen zum Rettungsanker wurde. So entstand die erste "Friedensschule". Nach dem Sturz der Taliban 2001 hat die Regensburger Familie in den Ostprovinzen Afghanistans viele weitere Schulen aufgebaut. Ihr Hilfswerk beschäftigt 2000 Mitarbeiter vor Ort.
Die Familie Erös ist selber viel vor Ort und spricht auch die Landessprache. Dr. Erös besichtigt mehrfach jährlich und auf eigene Kosten, so betont er, die Schulen, die Mutter- und Kind-Kliniken, die Waisenhäuser, die Solarwerkstätten und die weiteren Einrichtungen, "die allesamt realistische Perspektiven für eine friedliche Zukunft des Landes am Hindukusch bieten". Erös zahlt persönlich die Gehälter der Lehrer, Ärzte, Ingenieure, Bauarbeiter und Handwerker aus.
Gut möglich, dass das Kinderhilfswerk Afghanistan demnächst bundesweit bekannt wird. Am 18. September wird der Entwicklungshelfer aus Regensburg mit dem Thomas-Dehler-Preis ausgezeichnet. Zur Verleihung kommt die Bundesministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nach München.
Info Näheres im Internet unter www.kinderhilfe-afghanistan.de
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: JÜRGEN SCHÄFER | 04.09.2010
| Artikel twittern |
|
|
Eröffnung einer Mädchenschule in Afghanistan: Dr. Reinhard und Annette Erös (Mitte) mit Erziehungsminister Haji Hanif (Zweiter von links). Foto: privat
MEISTGELESENE ARTIKEL
Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik
Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr
Neu-Ulmer Bordell-Chefin wehrt sich gegen Vorwürfe
Neu-Ulm Der in einem Neu-Ulmer Bordell aufgefundene Tote wird nicht obduziert. Die Polizei ist sicher: Der 36-Jährige starb durch einen autoerotischen Unfall. Derweil hat sich die Bordellchefin zu Wort gemeldet.... mehr
Inferno in der Hechinger Altstadt
Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr
Hechinger Brandruinen qualmen noch
Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr
Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell
Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

ZURÜCK
