Keine Angst vor Minaretten

Bad Boll.  Minarettverbot in der Schweiz, Furcht vor dem Islam auch bei uns: Die Evangelische Akademie Bad Boll greift die Islamdebatte mit einer Tagung auf.

Minarette, Dschihad, Scharia, Burka: Mit diesen Stichworten befeuern Islamkritiker die lodernde Islamdebatte. In ganz Europa ist eine erbitterte Auseinandersetzung darüber entbrannt, ob sich liberale Gesellschaftsordnungen und Islam vertragen. Doch ab welchem Punkt wird Islamkritik zur Islamfeindschaft? Wie kann die Balance gehalten werden zwischen dem Grundsatz der Religionsfreiheit und der Erwartung an die Muslime, sich zu integrieren? Das Gespräch darüber wird auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Bad Boll vom 19. bis 21. März gesucht, unter anderem mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Dr. Ayyub Axel Köhler, dem Landesvorsitzenden der Türkisch-Islamischen Union Württemberg (Ditib), Erdinc Altuntas, dem Religionswissenschaftler Dr. Michael Blume und Ayfer Kaplan aus der Stabsstelle des Integrationsbeauftragten der Landesregierung.

Die Tagung hat gleich drei Schauplätze. Sie beginnt mit einem Gespräch in der Ditib-Moschee in Göppingen und endet mit einem Gottesdienst im Ulmer Münster.

"Freiheit, die ich meine - Muslime in der Demokratie" - so hat Tagungsleiter Wolfgang Wagner das Thema überschrieben. Der Fachmann für den interreligiösen Dialog kennt die Konflikte zwischen den Religionen aus erster Hand und war seiner Zeit voraus, als er im November eine Tagung zum Thema Moscheebauten abhielt - vor der Volksabstimmung in der Schweiz.

Wagner nimmt die Angst vor einer Islamisierung ernst, wirbt aber für die Unterscheidung zwischen einem "freundlichen Islam" und der Strömung, "die wir Islamisten nennen". Die einen wollten ihre Religion ausüben, die anderen eine neue Weltordnung. Man müsse immer genau hinschauen, wen man vor sich habe. In einem Beitrag für das Kirchenfernsehen hat Wagner dies am Beispiel der Moscheen und Minarette ausgeführt. Es sei nichts dagegen zu sagen, wenn ein Muslim seine Moschee als eine Heimat betrachte, aber es gehe nicht an, Moscheen als Kasernen und Minarette als Bajonette zu bezeichnen, wie dies sogar führende Politiker in der Türkei verträten. Wagner: "Vor Minaretten muss man sicherlich keine Angst haben, aber vor Islamisten, die Gewalt anwenden." Berechtigt sei auch die Empörung in der westlichen Welt, wenn islamische Staaten Christen verfolgten.

Der Studienleiter setzt trotz verschärfter Stimmungslage auf den Dialog. Dessen Früchte müssten sichtbar gemacht werden. Es seien eindrucksvolle Zeichen, wenn eine Kölner Kirchengemeinde für die Ehrenfelder Moschee Geld sammle und Pforzheimer Christen für die dortige Moschee einen Kronleuchter gespendet hätten. "In christlich-islamischen Gemeinschaften lernt man sich kennen, verstehen und unterscheiden", sagt Wagner. So entwickele sich eine Zusammenarbeit, um die riesigen, globalen Aufgaben gemeinsam anzugehen.

Info

Wer an der Tagung teilnehmen will: Anmeldung bis 5. März unter Telefon: (07164) 79-3 47.


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27.02.2010

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