Kahlschlag wird untersucht

Eschenbach.  Der Protest gegen den Kahlschlag an der Eschenbacher Ortsdurchfahrt weitet sich aus. Bürger sammeln Unterschriften, der Schultes will die Notwendigkeit des rigorosen Einschlags überprüfen.

Einzelne Gemeinderäte haben schon Alarm geschlagen, jetzt hat der Kahlschlag der Straßenmeisterei Geislingen den gesamten Gemeinderat erreicht. Mit Überraschungen: Er wisse, dass es keine Schnittgenehmigung für Arbeiten nach dem 1. März gegeben habe, erklärte Bürgermeister Thomas Schuber den Räten. Außerdem will er klären, ob die gefällten Bäume und Sträucher tatsächlich so krank und schadhaft gewesen seien, dass sie eine Gefährdung des Straßenverkehr darstellten, wie von Amtsseite aus behauptet werde. Das bezweifelt auch Anwohner Helmuth Keller, der noch immer fassungslos ist über den Kahlschlag an dem Böschungsstreifen vor seinen Grundstücken. Am Nachbargrundstück habe die Vorbesitzerin vor Jahren selbst Sträucher pflanzen lassen, die jetzt weg seien. Vielleicht seien einige Bäume kaputt gewesen, sagt Keller, "die man aber mit Maß und Ziel hätte zurückschneiden können." Er selbst habe sein Böschungsstück regelmäßig gepflegt. "Wir waren stolz, einen Beitrag für schönes Wohnen in Eschenbach beitragen zu dürfen." Der Anwohner hofft nun auf eine "vernünftige Lösung" und wünscht sich eine Entschuldigung der Straßenmeisterei.

Der Schultes will nun schnellstmöglich einen Vorort-Termin mit der Straßenmeisterei und dem Umweltschutzamt des Kreises anberaumen. Schubert hofft auf eine vernünftige Aussprache, obwohl die Angelegenheit inzwischen hohe Wellen geschlagen habe und die Emotionen in Eschenbach hochkochen. Er jedenfalls ärgere sich darüber, dass man bisher "von einem hohen Ross herab, keine Einsicht und kein Verständnis" für den Ärger in Eschenbach gezeigt habe. Er spricht von "Totalrasur" und totalem Unverständnis in der Gemeinde für "einen gnadenlosen Schnitt". Im Gemeinderat sieht man das genauso. Da werde immer von Umwelt- und Naturschutz geredet, hieß es, und dann so etwas.

Hinzu kommt ein gewisses Maß an Radikalität, wie ein verärgerter Zuhörer der Gemeinderatssitzung zum Ausdruck brachte. Die Straßenmeisterei habe unter seinen angrenzenden Zaun hindurch gewütet und dabei auch Schaden am Zaun angerichtet. Viel Kleingetier sei verscheucht worden. Das Gehölz am Straßenrand habe sogar Eichkätzchen und Fasanen als Unterschlupf gedient.

Unterdessen hat eine Anwohnerin eine Unterschriftenaktion gestartet. In der Eschenbacher Apotheke, wo eine der Listen ausliegt, haben bis gestern schon 60 Bürger ihren Unmut über den Kahlschlag zum Ausdruck gebracht. Der Schultes ist gewillt, auch im Rathaus eine Liste auszulegen.

Henning Hoyler, Amtsleiter beim zuständigen Straßenbauamt Kirchheim, räumt auf Nachfrage ein, dass man den Rückschnitt abschnittsweise hätte vornehmen können. Er stellt aber auch klar, dass es üblich sei, "bis auf den Stock über den Wurzelbereich" zurückzuschneiden und "Tabula rasa" zu machen. Das bestätigt auch Thorsten Teichert vom Umweltamt des Landkreises, der ansonsten nicht glücklich ist über das Ausmaß des Kahlschlags und den Zeitpunkt Anfang März, wenn schon die Gehölz-Schonzeit gilt. Henning macht aber auch geltend, dass man gehalten sei, wirtschaftlich zu arbeiten, daher der Totalschnitt. In ein bis zwei Jahren würde das Gehölz wieder nachwachsen.

Das Straßenbauamt widerspricht auch dem Eindruck der Anwohner, dass der Gehölzgürtel den Straßenlärm gemindert habe. "Einen größeren Lärmschutz bewirkt das nicht", so Hoyler. Auch Landespfleger Teichert sagt, dass diese Wirkung überschätzt werden. "Das belegen Studien."


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Autor: HANS STEINHERR | 11.03.2010

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