Ganz eigenwilliger Jazz

Bad Überkingen.  Mit virtuosen Klavierklängen, philosophischen Texten, filigranem Gesang und meditativen Rhythmen eroberte das Jazz-Duo Olivia Trummer/Bodek Janke das Publikum in der Bad Überkinger Autalhalle.

Philosophisch, meditativ, virtuos, versetzt mit einem Spritzer Humor, so erlebten die rund 60 Zuhörer das Jazz-Duo Trummer/Janke am Montagabend in der Autalhalle. Vom Makro- zum Mikrokosmos: Wie suchend in den kosmischen Sphären tasteten die Finger der Pianistin, von weit her kamen die Töne, ihr Gesang klar und dabei zärtlich gehaucht. Filigran entfaltete sich das Lied "Die Liebe", ging nahtlos über in den Jazz-Standard "Someday my prince will come". Das wars auch schon, was Jazzinsidern bekannt war. Was nun folgte, waren Eigenkompositionen. Und zwar in einer ganz eigenwilligen Jazzausrichtung.

Flügel und indische Musikinstrumente, Jazz und die monodisch geprägte Musik - eigentlich passen sie nicht zusammen, sollte man meinen. Das Duo Trummer/Janke weiß es jedoch besser. Denn was Jazz und indische Musik gemein haben, ist die freie Improvisation. So improvisierten beide nach Herzenslust, Das Duo schien mit der meditativen Rhythmik kosmische Schwingungen aufzunehmen, welche Olivia Trummer in ihrem Klavierspiel aufgriff und interpretierte.

Die 25-Jährige legte ihrer Musik eigene philosophische Gedanken zu Grunde. Mit Texten, wie ". . . spür die Zeit vergehn, spür die Zeit auf deiner Seite stehn. . .", oder ". . . wem die kleinen Dinge der Welt zu klein sind, dem sind die großen zu groß . . ." verfolgte sie die Spur des Lebens. So zierlich wie sie selbst ist ihr klarer Gesang, dabei singt sie mit fester Stimme, gibt ihr, wo nötig, pathetischen Hauch. Mit Tonsprüngen und nonverbalem Gesang kreiert sie ihren individuellen Scatgesang.

So selbstsicher wie Olivia Trummer ihre Stimme einsetzt, so selbstbewusst ist ihr Anschlag, virtuos perlen ihre Läufe auf dem Flügel und ebenso hat sie ein sicheres Gespür für den effektvollen Einsatz der Pedale. So erklangen Songs, deren filigranen Klänge im Raum schwebten, wie "Seaside". Oder Trummer erheiterte mit fröhlichen Improvisationen, wie "Mozärtlichkeit", wo sie als Hauptthema die mozartsche Nachtmusik verspielt und witzig darbrachte.

Der Virtuosität von Trummer stand Schlagzeuger und Percussionist Bodek Janke in keiner Weise nach. Er zauberte Stimmungen auf seinem Schlagzeug, mal nur mit seinen Händen, dann mit den Besen. Fußglöckchen, Rainmaker, Holzschellen, Didgeridoo und Cajon setzte er ebenso bravourös ein wie er die Kunst des komplexen Tabla-Spiels und des damit eng verbundenen indischen Silbengesangs beherrschte.

Das Duo präsentierte sich als eng verbundene Einheit. Oft schienen die beiden tief in ihr Spiel versunken, dann spornten sie sich gegenseitig an, sodass der Gedanke einer Jam-Session sehr nahe lag.

Das, die sympathische Anmoderation von Olivia Trummer und eben die Virtuosität des Duos, bedachten die Zuhörer mit reichlich Beifall.


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Autor: SABINE GRASER-KÜHNLE | 10.03.2010

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