Gäste voll des Lobes

Bad Boll.  Das Fundament für die Zukunft der Akademie Bad Boll steht: Das ersehnte neue Gästehaus, der Südflügel, ist fertiggestellt. 60 Zimmer und drei Tagungsräume sollen den wirtschaftlichen Betrieb gewährleisten.

Die Akademie Bad Boll verändert ihr Gesicht. Hinter dem gläsernen Restaurant und der Villa Vopelius ist ein großer L-förmiger Bau entstanden, der zum Rückgrat des Tagungsbetriebs wird. Er ersetzt zwei abgerissene Flügel, die keine zeitgemäßen Gästezimmer mehr boten. Der alte Südflügel aus den Gründerzeiten galt sogar als baufällig. An ihre Stelle tritt ein Zweckbau mit hochmodernem Innenleben und behaglichen Gästezimmern. Eingewoben ist auch der Geist der Akademie: Das Gebäude ist nachhaltig und energiesparend gebaut, ohne Schnörkel, aber mit vielen Feinheiten.

Die Gäste sind voll des Lobes, berichtet Hauswirtschaftsleiterin Ingrid Hess. "Fast euphorisch" seien die ersten Rückmeldungen ausgefallen, bis hin zu dem Kompliment einer Dame aus Hannover: "Nach langer Zeit habe ich erstmals wieder gut geschlafen." Dafür gibt es eine Erklärung. Die Betten hätten hochwertige Matratzen, die Bezüge sind aus allergiefreien Textilien, sagt Ingrid Hess.

Auch alles andere ist stimmig. Architektin Nike Fiedler hat die Einzelzimmer geschmackvoll konzipiert. Parkett und Eichenpaneel an der Bettseite, selbst entworfene Möbel, Vorhänge und Sessel in Pink- und Brombeertönen. Ein weiterer Hingucker: Kunstwerke hängen in den Zimmern. Die hat der frühere Studienleiter Albrecht Esche dank seiner Kontakte zu Künstlern an Land gezogen. Für Akademiedirektor Joachim Beck auch ein sinnhafter Farbtupfer: "Damit wollen wir Impulse setzen, die jenseits der Sprache liegen."

Viel Technik steckt in den Tagungsräumen, die mit ihren Größen zwischen 50 und 150 Quadratmetern die Palette von 17 Tagungsräumen erweitern. In der abgehängten Decke stecken Lautsprecher und Beamer, im ganzen Raum kann man Computer andocken.

Was man nicht sieht: Das ganze Haus ist ausgesprochen pflegeleicht. Böden, Badezimmer, Betten - alles ist so ausgewählt und angeordnet, dass man sehr schnell durchputzen kann, freut sich Ingrid Hess. Was auf Dauer viel Geld spart. Denn: "Ein Tagungshaus kostet in 30 Jahren so viel Unterhalt wie der Bau selbst", sagt Ganßloser.

Zur Ökologie des Gästehauses: Die Mauern atmen. Sie bestehen aus Ytongsteinen, die Feuchtigkeit durchlassen, sagt die Architektin. Sie sind fast einen halben Meter dick und haben eine hohe Wärmedämmung. "Wir erfüllen sämtliche Standards", betont Nike Fiedler. Zudem ist das Bauwerk teilweise in den Hang hineingelegt. Energieschonend ist auch die Beleuchtung mit LED-Leuchten in den Fluren.

Dank des Winkelgebäudes wandelt sich der bisherige Innenhof zu einem Park, dem "Akademiepark". Der kann sich in den Tagungspausen mit Leben füllen, und im Sommer will sich die Akademie mit einem Open Air auf neue Weise präsentieren.

Punktlandung bei den Kosten: Die veranschlagten 6,45 Millionen Euro sind eingehalten, meldet Geschäftsführer Ganßloser, was die Landeskirche freuen wird. Sie muss übrigens eine runde Million weniger zahlen, weil die Mehrwertsteuer abgewälzt werden kann.

Die Bauzeit hat sich indes um einige Monate verlängert - zwei strenge Winter in Folge gingen nicht spurlos vorbei. Aber jetzt ist es so weit, und die Einweihung wird am kommenden Sonntag mit einem Festgottesdienst gefeiert.


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Autor: JÜRGEN SCHÄFER | 02.03.2010

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