Freundeskreis ehrt den Vordenker

Bad Boll.  Eine Tagung mit viel Prominenz bietet der Freundeskreis Erhard Eppler zu Epplers 85. Geburtstag in der Akademie Bad Boll. Sie beleuchtet ein Grundthema des Vordenkers: Die Ökologisierung Deutschlands.

Schon 1972 hat der damalige SPD-Entwicklungshilfeminister Eppler das unbegrenzte Wachstum infrage gestellt. Seinem Weggefährten und Parteifreund Wolfgang Rapp aus Hohenstaufen ist noch in Erinnerung, wie Eppler ihm das mal auseinandergesetzt hat, als sie sich im Schwarzwald trafen. "Wenn ich das Wochenende durch den Schwarzwald fahren würde, wäre das wachstumsfreundlich. Benzin wird verbraucht, das Auto abgenützt. Wenn wir einen Spaziergang machen, werden nur die Schuhsohlen ein bisschen abgelaufen. Aber das nützt der Umwelt und unserer Gesundheit."

Die Schöpfung bewahren, auf überflüssigen Konsum verzichten - mit diesem Standpunkt ist Eppler 1976 gegen Landesvater Filbinger angetreten. Rapp weiß noch, wie die CDU konterte: "Wir wollen nicht wieder auf die Bäume." Das waren die Schlachten von damals. Epplers Thema hat sich durchgesetzt und soll jetzt in der Evangelischen Akademie Bad Boll weiter ausgelotet werden. Organisiert hat das Wolfgang Rapp in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Freundeskreises Erhard Eppler. Schon vor zwei Jahren hat der Freundeskreis das anvisiert.

Der Freundeskreis und die Evangelische Akademie holen wieder viel Prominenz aus Politik und Wirtschaft nach Bad Boll. Rapp berichtet, dass man meist Zusagen erhält, wenn man Referenten für eine Tagung mit Erhard Eppler anfragt, und zwar unabhängig von der Parteizugehörigkeit. Denn einer wie Eppler, sagt Rapp, "ist parteiübergreifend." So kommen der SPD-Bundesvorsitzende und frühere Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, die frühere niedersächsische Umweltministerin Monika Griefahn, der SPD-Landesvorsitzende Nils Schmid, sein Stuttgarter Ministerkollege Franz Untersteller, Spitzenbeamte, Wissenschaftler, Öko-Aktivisten, der Umweltbeauftragte von Bosch. Die meisten kennt Rapp selbst. Er hat auch bei Ernst-Ulrich von Weizsäcker und dem EU-Kommissar Günther Oettinger angefragt. Aber die mussten passen, bedauert er.

Eppler selbst wird die Richtung mit seinem Einführungsvortrag vorgeben. Dann sind die Referenten und Teilnehmer gefragt, das in Arbeitsgruppen weiterzudenken.

Lokalkolorit hat die Tagung auch. Rapp will gleich am ersten Abend einen schwäbischen "Kontrapunkt" setzen. Sein alter Freund und Lehrerkollege Günter Künkele aus Urach wird zeigen, dass der ehemalige Truppenübungsplatz Münsinger Alb nur gegen Widerstände als Naturreservat intakt blieb. Andere Akzente setzen der Schlater Gastronom Jörg Geiger und die Küchenchefin der Akademie, Ingrid Hess. Sie werben für eine "neue Ess-Klasse", hinter der sich die Ess-Kultur bio, regio, öko, fair verbirgt - auch ein Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung.

Eine Tagung zu Ehren Erhard Epplers gab es schon vor fünf Jahren zu seinem Achtzigsten - damals mit Altbundeskanzler Gerhard Schröder und Ostpolitik-Vordenker Egon Bahr. Mit der Evangelischen Akademie Bad Boll ist Eppler ebenso verwachsen wie Rapp, der den Göppingern als langjähriger Leiter der Volkshochschule bekannt ist. Der radelte schon mit 16 Jahren, damals noch Schlosserlehrling, von seiner Heimatstadt Nürtingen hinüber nach Bad Boll, zu Vorträgen über die junge Demokratie und den Widerstand in der Nazi-Diktatur.

Info Tagung zur Ökologisierung Deutschlands - Utopie, Vision, Handlungsnotwendigkeit, vom 25. bis 27. November in der Ev. Akademie Bad Boll. Anmeldung unter Telefon: (07164) 7 92 33.


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Autor: JÜRGEN SCHÄFER | 15.11.2011

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