Einzigartig im ganzen Land

Aichelberg.  Der Nussbaum-Lehrpfad von Aichelberg war immer einzigartig im Landkreis - jetzt ist er es wahrscheinlich im ganzen Land. Zur alten und verkürzten Baumreihe ist eine neue dazugekommen - mit neuen Sorten.

Links sind die Bäume in mehr als 20 Jahren bis zu fünf Meter hoch gewachsen, rechts recken sich nur Stämmchen mit zarten Ästen in die Höhe. Mit diesen zwei Gesichtern präsentiert sich der Walnussbaum-Lehrpfad von Aichelberg, der so unauffällig am Fuß des Albtraufs steht. Die Nussbäume fallen nur dem Kundigen auf, scheinbar gehören sie zum Landschaftsbild der Streuobstwiesen, die sich von der Landstraße herauf bis an den Ortsrand von Aichelberg zieht. Früher standen die Nussbäume in der Landschaft, jetzt ist der Ort an sie herangerückt. Und das ist auch der Grund, warum der Lehrpfad umgemodelt wurde.

Das Baugebiet Breitenloh forderte Tribut an der Natur: Den Bauplätzen mussten vor Jahren viele Streuobstbäume weichen, auch der Nussbaum-Lehrpfad wurde beschnitten. Von neun Bäumen blieben nur fünf. Das durfte natürlich nicht so bleiben. Die Gemeinde wollte Ersatz, und daraus sind jetzt sieben neue Bäumchen geworden - drei mehr als früher. Das hat dem Bestand gut getan. Der langjährige Kreisobstfachberater Peter Düngen konnte nochmal tiefer schürfen in Sachen Walnusssorten. In den vergangenen 20 Jahren ist die Züchtung weitergegangen, heute gibt es eine andere Vielfalt.

Das ist eine Wissenschaft für sich. Düngen holte sich Rat in der Lehr- und Versuchsanstalt für Wein und Obstbau und fuhr bis nach Freiburg, um Walnusssorten aufzutreiben. Der Erwerbs-Obstbauer wird auf vieles achten: Auf große Früchte, dünne und glatte Schalen, eine gefällige Farbe, auf den Geschmack und einen guten Ertrag. Hinzu kommt, dass viele Sorten anfällig sind für Spätfröste und Krankheiten.

Düngen hat eine Auswahl zusammengestellt, die die Vielfalt zeigen. Nicht nur den Super-Nussbaum, der alle Anforderungen erfüllt, sondern auch die Un-Perfekten und Exoten. Gespannt ist er auf die neue Sorte Mars, die robust gegen Frost und Krankheiten ist. Aber: Die Anbauerfahrung fehlt noch. Das galt auch für die Sorte Kleinglattbach, die zum alten Bestand gehört und in 20 Jahren herangewachsen ist. So wird der Lehrpfad auch zu einem Testfeld. Als Besonderheit hat Düngen die "Rote Donaunuss" mit, deren Nüsse gut schmecken und eine rote Kernhaut haben.

Durchschnittlich ist hingegen der Geschmack von Nusssorte "Nr. 28", die aus dem Spreewald kommt. Anfällig für Schalenbrüche ist die Sorte "Nr. 597" aus der Pfalz, anfällig gegen Krankheiten ist die Nuss Weinsberg 1, die am Sitz der Versuchsanstalt gezüchtet worden ist. Sehr großkronig wird der einzige Sämling im Reigen der neuen Baumreihe, dafür hat er eine ungesicherte Fruchtqualität. Dieser Stamm ist aus einem Samen gezogen, er braucht sehr lange, bis er Früchte trägt. Die anderen Sorten sind auf Strämme aufgepropft und tragen schnell.

Für Düngen, der mittlerweile im Ruhestand ist, war es eine reizvolle Aufgabe, den Lehrpfad zu erweitern, den noch sein Vorgänger angeschoben hat und den er jetzt seinem Nachfolger Rainer Klingler hinterlässt. Aichelbergs Bürgermeister Martin Eisele betrachtet den Lehrpfad als "einzigartige Attraktion" in einer kleinen Gemeinde. Glücklich darüber sind auch Anton König und Hermann Schädel von den Aichelberger Garten- und Blumenfreunden.


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Autor: JÜRGEN SCHÄFER | 28.07.2010

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