Die Sonne ist der Arbeitgeber

Bad Überkingen.  Die Sonne ist der Arbeitgeber der Firma Hatob in Hausen. Sie sorgt dafür, dass die Nachfrage nach Freiland-Solarkraftwerken ungebrochen ist. In diesem Jahr peilt das Unternehmen einen Rekord von 100 Megawatt an.

Es riecht nach Farbe. Umzugskartons stehen herum und provisorische Lösungen erlauben wenigstens einen eingeschränkten Bürobetrieb an brandneuen Schreibtischen. Es ist nicht zu übersehen, dass der Einzug noch nicht lange her ist. Von Bad Überkingen aus ging es vier Kilometer talaufwärts in den Teilort Hausen, ins Parterre des ehemaligen Schulhauses am Rathausplatz 4. Trotz des Durcheinanders ist es gemütlich. Denn anstelle von normalen Straßenschuhen stecken die Füße von Hatob-Chef Joachim Rasch und seinen Mitarbeitern in Filzhausschuhen oder dicken Wollsocken. Der frisch geschliffene und geölte Buchenholzboden fordert eben seinen Tribut.

Dabei sind Rasch und seine Mitarbeiter alles andere als Öko-Freaks, obwohl sie die Sonne anzapfen. Sie machen aus dem Licht unseres Fixsterns elektrischen Strom. Wie Geschäftsführer Joachim Rasch betont, reicht die Angebotspalette der bis zu 140 Mitarbeiter zählenden Hatob GmbH von der Planung über den Bau und Betrieb bis hin zur Wartung und Pflege von Photovoltaik-Anlagen. Was Mitte 2009 als drei Mann/Frau-Unternehmen in Bad Überkingen aus der Wiege gehoben wurde, hat sich binnen zwei Jahren zu einem Unternehmen entwickelt, das sich längst nicht mehr mit kleineren Dachanlagen beschäftigt. "Damals haben wir in Geislingen und Umgebung Anlagen zwischen zehn und 30 Kilowatt installiert", berichtet der Chef. Zwischenzeitlich bauen Rasch und sein Kompagnon Jörg Windolf von Meding aus Leipzig Freiflächen-Solaranlagen, die gut hundert Mal größer sind und gewaltige Ausmaße haben.

Die Standorte liegen meist in den neuen Bundesländern. Aber auch im europäischen Ausland, in Indien und den USA ist das Know-how aus Hausen und Leipzig gefragt. "Die Anlagen werden auf Grundstücken errichtet, die kein Mensch will und für die es keine andere Nutzung gibt", sagt Rasch. Dazu gehören in den neuen Bundesländern beispielsweise ehemals militärisch genutzte Flächen oder ausgediente Deponien. Die gebe es dort zur Genüge. Je größer das Gelände, umso mehr Sonnenstrom kann geerntet werden. Die größte von Hatob bisher gebaute Photovoltaikanlage steht in der Gegend von Leipzig. Sie hat 35 Hektar und eine elektrische Leistung von 14 Megawatt. Im Klartext: Auf einer Fläche von 50 Fußballfeldern werden jährlich etwa 13 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt, mit denen rein rechnerisch 3300 Vier-Personen-Haushalte versorgt werden können.

Die Kehrtwende in der Energiepolitik ist damit allerdings nicht geschafft. Der Traum vom uneingeschränkten Sonnenstrom hat einen Haken: Kilowattstunden gibt es nur, wenn die Sonne scheint und sich nicht hinter dicken Wolken versteckt. Doch diese Binsenweisheit hat auf den Erfolg und die Entwicklung der Firma Hatob keinen Einfluss. Joachim Rasch kann sich über mangelnde Nachfrage nach Freiflächen-Anlagen nicht beklagen. Im Jahr 2011 hat das Unternehmen Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 26 Megawatt gebaut. Und das Jahr 2012 verspricht noch sonnigere Zeiten. "Die Auftragslage ist sehr gut, und wir gehen davon aus, dass wir die 100-Megawatt-Grenze erreichen werden", meint der Firmenchef. Bei allem Optimismus bleibt der 47-jährige Diplom-Ingenieur Realist. "Das Geschäft mit dem Sonnenstrom ist sehr stark vom Einfluss der Politik abhängig und steht und fällt mit dem politischen Willen."


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Autor: JOCHEN HORNDASCH | 01.02.2012

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