Das Trauma von Afghanistan-Soldaten

Bad Boll.  Der Bund Deutscher Veteranen hat auf einer Tagung in Bad Boll scharfe Kritik am Umgang des Staates mit traumatisierten Soldaten geübt.

"Die Hilfsangebote reißen ab, wenn die Soldaten aus der Armee ausscheiden", sagte Andreas Timmermann-Levanas, Vorsitzender des Veteranenbundes BDV, in der Evangelischen Akademie Bad Boll. Ehemalige Soldaten würden im Behördendschungel zwischen militärischer und ziviler Verwaltung allein gelassen. Posttraumatische Belastungsstörungen träten häufig erst Monate oder Jahre nach dem aktiven Dienst auf. Genau dann, wenn die ehemaligen Soldaten die Hilfe am meisten benötigten, fühle sich ihr ehemaliger Dienstherr, die Bundeswehr, nicht mehr zuständig. Militärische und zivile Verwaltung schöben einander die Verantwortung zu.

"Was wir im Umgang mit Behörden erleben, ist zum Teil abenteuerlich", so Timmermann-Levanas, der selbst jahrelang im Ausland stationiert war und mit einem posttraumatischen Belastungssyndrom (PTBS) aus der Armee als dienstunfähig entlassen wurde. Er gründete im letzten Herbst den BDV als Vertretung von Soldaten, die in Auslandseinsätzen waren.

Oberstarzt Dr. Peter Zimmermann sagte, es gebe noch Defizite bei der Betreuung PTBS-kranker Soldaten. In den vergangenen zwei Jahren habe sich jedoch vieles verbessert. "Die Bundeswehr macht vieles richtig, aber vor allem bei der Einbindung von Angehörigen der Betroffenen müssen wir noch besser werden", sagte der Leiter des Traumazentrums der Bundeswehr im Bundeswehrkrankenhaus Berlin.

"Wir sehen zwar seit Jahren steigende Zahlen von PTBS-Patienten. Jüngste Studien zeigen aber, dass wir nicht vor einem riesigen Berg unerkannter Fälle stehen", so Zimmermann. Die Dunkelziffer liege deutlich unter fünf Prozent. Im letzten Jahr habe es 729 PTBSPatienten in Bundeswehr-Krankenhäusern gegeben.

Der Veteranenverband kritisiert jedoch die Datenlage. "Warum gibt es erst Jahrzehnte nach den ersten Auslandseinsätzen der Bundeswehr erste große Studien? Warum beginnt man erst jetzt, Konzepte für die Einbindung der Angehörigen in die Therapie zu entwickeln?", so Timmermann-Levanas.

Auf der Tagung "Draußen vor der Tür - Ehemalige Soldaten nach dem Afghanistan-Einsatz" diskutierten Bundestagsabgeordnete, Experten und Betroffene den Umgang mit Veteranen der Bundeswehr.


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Autor: SWP | 09.03.2011

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