Blumen als Tempobremse
Eschenbach. Mit Blumen begrüßt die Gemeinde Eschenbach jetzt die Autofahrer am Ortseingang aus Richtung Eschenbach. Aber nicht nur zur Erbauung: Dicht stehende Blumen dienen als Tempobremse vor dem Kreisel.
Lasst Blumen sprechen: Eschenbach hat am östlichen Ortseingang florale Akzente gesetzt. Auf der Verkehrsinsel an der Kreisstraße, die zum Kreisel hinführt, zieht sich ein flauschiges Blumenbeet, das in allen Farben schillert: von rot bis blau, von weiß bis ocker. Und das ist nur die untere Schicht. Sonnenblumen sind herausgeschossen und bilden eine mannshohe Stafette. Angesichts der Blumenpracht geht fast unter, dass sich durch die Verkehrsinsel ein Zaun zieht, an dem sich Pflanzen hochranken.
"Was lange währt, wird endlich gut" - so kommentiert Bürgermeister Thomas Schubert genüsslich die neue Blütezeit am Ortseingang. Er kann sich nur beglückwünschen, dass auf solch ansehnliche Art ein Problem gelöst ist, das der Gemeinde hartnäckig Kummer machte: Raser am Ortseingang zu bremsen, die freie Sicht auf den Kreisel hatten und flott durchzogen, wenn nicht gerade Gegenverkehr kam. Das war möglich, weil der Kreisel nicht in der Mitte der Kreuzung sitzt, sondern nach links verschoben ist. Damit eröffnet sich in Ost-West-Richtung ein glatter "Durchschuss".
Ansetzen wollte die Gemeinde am Innenkreis, biss sich aber die Zähne aus. Weder durfte sie gewölbte Hindernisse in das Pflaster setzen noch den Innenkreis erhöhen, dessen Absatz die Autos spielend überrollen. Zum Tragen kam schließlich eine Variante, die auf einem Missverständnis beruht, schmunzelt der Schultes. Er las aus einem Vorschlag des Straßenbauamtes heraus, man möge doch eine Sichtbarriere an der Anfahrt zum Kreisel anlegen. Was er pfiffig fand. Dieser gar nicht so gemeinte Vorschlag brachte dann erst einmal Verhandlungen mit dem Straßenverkehrsamt, weil so etwas nicht vorgesehen ist - die Sicht auf einen Kreisel soll möglichst frei sein.
Die Gemeinde bekam dann auch prompt stummen Protest, als sie probehalber ein Hindernis aufstellte - das wurde nächtens abgeräumt. Aber der Kampf mit den Paragraphen ist ausgestanden. Eschenbach und das Straßenverkehrsamt betreten mit der jetzigen Konstruktion Neuland.
Nach dem Eindruck des Schultes funktioniert die Idee. "Die Autofahrer bremsen ab, weil sie nicht sicher sein können, dass im Kreisel kein Gegenverkehr auftaucht." Der Erfolg soll aber noch überprüft werden. Im Herbst sollen Tempomessungen folgen und mit früheren Ergebnissen verglichen werden.
Wie sich die Sichtbarriere im Winter darstellt, muss sich noch zeigen. Dann sind die Blumen weg. Aber der Schultes ist zuversichtlich, dass die grüne Wand schon beim ersten Winter einigermaßen geschlossen ist.
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Autor: JÜRGEN SCHÄFER | 02.09.2010
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Nicht nur fürs Auge: Blumenwand am Eschenbacher Ortseingang, die Raser bremsen soll. Autofahrer aus Richtung Ursenwang (rechts) können jetzt nicht mehr von weitem erkennen, ob sie vorne am Kreisel freie Fahrt haben. Foto: Jürgen Schäfer
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