Blaues Auge und dicke Nase
Gosbach. Ein blaues Auge, eine geschwollene Nase und ein paar beleidigende Worte - das ist das Fazit des Sicherheitsdienstes, der am Samstag vor, während und vor allem nach dem Gosbacher Nachtumzug eingesetzt war.
Der Gosbacher Nachtumzug zog viele Besucher zum Feiern an. Vor allem das Partytreiben nach dem großen Gaudiwurm war dabei im Visier der Firma "bs-Sicherheitsdienste". Seit vier Jahren sorgt Frank Baumann, der bis 2002 bei der Polizei war und sich dann in Heiningen einen Sicherheitsdienst aufgebaut hat, mit seinem 20-köpfigen Team für Ordnung bei der Großveranstaltung. Dabei handelt es sich um eine Kooperation mit der Breithutgilde als Veranstalter, dem Johanniter-Rettungsdienst und der örtlichen Polizei. Baumann: "Es ist alles eingespielt und klappt bestens." Jeder bringe seine Erfahrungen mit ein. Um Präsenz zu zeigen, marschierten vier Sicherheitsleute bereits beim Umzug mit, mussten aber nicht eingreifen.
Für Baumann und seine Mannen lag der Schwerpunkt im Bereich der Turnhalle, Festzelt und Stadlbar. Dort ging nach dem Umzug so richtig die Sause los. Beim Einlass in die Turnhalle und vor allem ins Partyzelt gab es jede Menge Arbeit. Nicht alle Besucher waren damit einverstanden, dass der Zugang ins Zelt bis Mitternacht in erster Linie den Hästrägern vorbehalten war. Ein ganzer Menschenpulk drängte in Richtung Absperrgitter und wollte zum Feiern ins Zelt. Den drei dort eingesetzten Ordnern wurde die Situation zu brenzlig - sie forderten per Funk Verstärkung an. Sofort eilte Frank Baumann mit zwei weiteren Mitarbeitern zum Zelteingang. Durch lautes Rufen und eine geschickte Schiebetechnik wurde der Eingangsbereich freigehalten und ein etwa zwei Meter breiter Sicherheitskorridor - wenigstens für kurze Zeit - geschaffen. Die meisten Besucher hatten Verständnis für die Aktion. Selina aus Wiesensteig war davon aber nicht ganz so begeistert. Sie wollte auch als "Nicht-Hästrägerin" auf jeden Fall ins Zelt, diskutierte mit Frank Baumann über Sinn oder Unsinn der Aktion und war am Ende stinksauer: "Ich bin jetzt aggressiv, ich will da nei." Ihr Unmut steigerte sich, als sich drei hübsche Hästrägerinnen aus Dornstadt durch die Massen schoben und ins Zelt gelangten. "Ha des isch super, sollat die doch au in die Zunft eintreten, dann dürfat die au nei", frotzelten die Hexen.
Nadine nahm es gelassen. Sie nippte an ihrem Fläschchen und verfolgte geduldig das Treiben der starken Sicherheitsmänner. Diese verwehrten auch Birgitt aus Deggingen den Zutritt - obwohl sie schon im Zelt war und nur kurz die Toilette aufgesucht hatte. Wer einmal draußen ist, kommt nicht mehr rein, lautete die kurzfristige sicherheitsbedingte Anordnung, zumal des Zelt aus allen Nähten zu platzen drohte.
Dort war in der Zwischenzeit ein Umfallen kaum mehr möglich. Wie die Ölsardinen reihten sich die Partygänger und machten eine Riesenstimmung. Nach Mitternacht durften dann alle Besucher ins Zelt und die wachsamen Augen der Sicherheitsleute richteten sich auf die immer dichter gedrängten Menschenmassen.
Zwei Stunden später gab es nichts mehr zu trinken. Ausschankstopp. Die Party war zu Ende. Frank Baumann und seine Mannen begannen mit dem Räumen - um kurz vor drei Uhr waren Turnhalle und Zelt leer. Erst jetzt konnten sich die 20 Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes entspannt zurücklehnen. Ein verhältnismäßig ruhiger Einsatztag ging zu Ende.
Je zwei Mann waren danach noch als Begleitung bei den letzten beiden Busfahrten in Richtung Geislingen mit von der Partie. Präsenz zeigte das Securityteam auch auf den nächtlichen Straßen von Gosbach. So mancher wilde Haus- oder Gartenpinkler wurde zurechtgewiesen und allzu stark Alkoholisierte zum Nachhausegehen animiert. Der eine oder andere Blick auf den Personalausweis war erforderlich. Durch gezielte Einlasskontrollen wurde speziell bei der Turnhalle und vor dem Zelt auf die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes geachtet.
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Autor: GÜNTER HOFER | 31.01.2012
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Freundlich, aber bestimmt: Sicherheitschef Frank Baumann im Dialog mit einer Partygängerin.
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