Zweifelhafter Ruhm
Ebersbach. Heute vor 250 Jahren endete das Leben Johann Friedrich Schwahns, besser bekannt als das "Sonnenwirtle von Ebersbach". Im Stadtmuseum erinnern zahlreiche Exponate an den berüchtigten Räuber.
Er sollte wie sein Vater Wirt der Ebersbacher "Sonne" werden, doch es kam anders: Johann Friedrich Schwahn wurde zum Verbrecher aus verlorener Ehre, zum Räuber und Mörder. Friedrich Schiller machte das "Sonnenwirtle" mit einer Erzählung zur Figur der Weltliteratur. Und auch sonst haben sich einige Autoren der tragischen Figur angenommen - am umfassendsten Hermann Donner, der 1929 eine detailreiche Biographie des berüchtigten Ebersbachers vorlegte. Heute vor genau 250 Jahren endete sein Leben - Tod durch Rädern lautete das grausame Urteil.
Als Sohn der Wirtsleute zur "Sonne" kam Johann Friedrich Schwahn am 4. Juni 1729 zur Welt. Schwahn fiel schon als Jugendlicher auf: Er konnte grob, jähzornig und geltungsbedürftig sein, dann wieder glänzte er durch Intelligenz und Umgänglichkeit. Als 17-Jähriger stahl er die elterliche Geldkassette, was ihm sechs Monate Zuchthaus einbrachte. Wieder frei, lernte Schwahn die Ebersbacherin Christine Müller kennen und lieben. Da diese aus einer verarmten Bauernfamilie stammte, verweigerte Schwahns Vater dem minderjährigen Sonnenwirtle die Heiratserlaubnis. Als Christine schwanger wurde, ahndete der Kirchenkonvent, eine Art Sittengericht, die illegitime Beziehung mit einer Geldstrafe. Heiraten war damals keine private Angelegenheit, sondern ein von der Obrigkeit gesteuerter Vorgang.
Schwahn und Christine Müller blieben trotzdem zusammen - noch. Um die Familie zu ernähren, begann Schwahn zu wildern und wurde 1751 ertappt - ein weiterer Schritt von der sozialen Ächtung zur Kriminalisierung. Schwahn kam für 18 Monate ins Zuchthaus nach Ludwigsburg. Nach der Freilassung stahl er aus dem Pfarrhaus in Ebersbach Hostien und Abendmahlkelch und wurde zu lebenslanger Haft auf der Festung Hohentwiel verurteilt.
An Weihnachten 1755 gelang ihm die Flucht. Mit einem in zweijähriger Arbeit gefertigten Strick seilte er sich in die Freiheit ab. Doch es war die traurige Freiheit eines heimatlosen Vaganten und gesuchten Verbrechers, in die er sich nun begab. Mit Diebstählen und wilden Drohungen rächte er sich an den Ebersbachern, die ihm die Ehe verweigert hatten. Bald arbeitete er mit einer Gaunerbande zusammen, tauchte bei Hehlern unter, um kurz darauf wieder mit neu formierter Diebesbande auf Raubzug zu gehen.
Das Sonnenwirtle verließ seine Frau, wurde zum Mörder aus Rache und beging Diebstähle und Überfälle im ganzen süddeutschen Raum. Überall hing nun sein Steckbrief. Immer wieder trieb es Schwahn zurück nach Ebersbach. Unklar ist, ob er in der Bevölkerung wegen der Brutalität seiner Überfälle verhasst war oder Rückhalt hatte. Immerhin dezimierte er als Wilderer die erheblichen Flurschäden, die das viele Wild anrichtete, das den herrschaftlichen Jagdgesellschaften vorbehalten war.
Tatsache bleibt, dass Schwahn trotz jahrelanger Fahndung nicht zu fassen war. Bis zum 7. März 1760: Schwahn wollte gerade nach Vaihingen/Enz einreiten, als der schlechte Zustand seines Pferdes Verdacht erregte. Er wurde verhaftet, zeigte schnell Reue und legte ein umfassendes Geständnis ab. Dank seiner Angaben über die Strukturen des organisierten Verbrechens flog manche Diebesbande in Süddeutschland auf. Die Reue nützte nicht viel. Das Urteil lautete auf Tod durch Rädern. Am 30. Juli 1760 wurde Johann Friedrich Schwahn grausam hingerichtet. Die Wirtschaft, der Schwahn seinen Namen verdankt, brannte 1910 ab. An dem neu errichteten Gebäude erinnert nur die Aufschrift des Nachfolgers "Zum Deutschen Kaiser" an ein Wirtshaus.
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Autor: MARGIT HAAS | 30.07.2010
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Im Ebersbacher Stadtmuseum können sich Besucher durch das in Bildern dargestellte Leben des Sonnenwirtle kurbeln. Foto: Staufenpress
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