Wenn die Trompete wimmert
Uhingen. Der Schlosshof wurde zur Location, Beatles-Songs zu Jazz und eine Muschel zum Instrument: Das Bachmann-Mandler-Ensemble ließ beim Sommerfestival auf Schloss Filseck aufhorchen.
In solch einer Location würden sie nicht jede Woche spielen, kommentierte der Saxophonist Thomas Bachmann die historische Kulisse im Schlosshof. Aber auch das Publikum bekommt garantiert nicht wöchentlich solch ein Ensemble und solche Töne zu hören.
Zuallererst konnte man am Samstagabend schon gespannt sein, wie sich die altbekannten Songs der Fab Four anhören, wenn es heißt: "Beatles Go Jazz". Zum Zweiten war es mit Musikern konfrontiert, die mit Perfektion glänzen konnten und riesigen Spaß am Experimentieren haben - und das nicht nur mit Neuinterpretationen, sondern auch mit Instrumenten.
Das gilt ganz besonders für den in Göppingen aufgewachsenen Lutz Mandler. Eigentlich ist er Trompeter, muss aber auf allem blasen, was ihm unter die Finger kommt. Außer zu Trompete, Horn und Alphorn hatte er auch ein ganz spezielles Didgeridoo dabei, in einer anderen Realität auch Rohre aus dem Baumarkt genannt. Und was für Töne er all diesen Instrumenten entlockte: Das Alphorn wurde geschoben, geklopft, gekratzt und sogar geblasen, wobei es quietschte, brummte, sang und schnatterte. Die Trompete wimmerte, krächzte, rauschte und kratzte. Die Muschel heulte und schmierte - oder klang einfach wunderschön.
Auch die anderen Ensemble-Mitglieder experimentierten überraschend und überzeugend am Rande der Möglichkeiten ihrer Instrumente: Das Saxophon ist viel mehr als ein Blasinstrument, ein E-Bass und ein Kontrabass (gestrichen, gezupft und geklopft von Ralf Cetto) mehr als ein Saiteninstrument und ein Schlagwerk (Uli Schiffenholz) mehr als die Summe seiner Einzelteile.
Begleitet von diesen wunderbaren Klängen gingen die Beatles in Richtung Jazz. Zum Alphorn gesellte sich das Schlagzeug, der E-Bass kommt hinzu, und man hörte "With a little help of my friends" - sozusagen die Antithese zu Joe Cocker. Das Saxophon klingt herrlich, es schwingt zusammen mit dem Alphorn, und schließlich endet das Lied flüsternd. Überraschende Tempiwechsel und allseits gekonnte und beklatschte Soli gab es bei "Penny Lane". "Strawberry fields forever" und "When Im 64" folgten. "Yesterday", der McCartney mit Kitschpotential, wurde ganz klar und leicht.
In Beatles-Manier gings auf die Bahamas, wo "Help" gedreht wurde, in beschwingter Sonnenlaune nach Afrika, woher Mandlers sagenhafte Muschel stammt, und nach Irland. Der Lust, mit der das Ensemble "Blackbird" interpretierte, merkte man nur zu gut an, dass es sein Lieblingsstück ist. Ein lakonisches Horn und ein sinnliches Saxophon vereinigten sich zum Programmende bei "While my guitar gently weeps" zu einem Duett. Der einzige nicht sonderlich gute Mitspieler war das Wetter. Die Farben des Sonnenuntergangs wurden zu einem dicken Grau, aus dem es zu tröpfeln begann. Dafür kann aber nun wirklich niemand etwas. Und die Zuhörer waren mit Anoraks bestens gerüstet.
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Autor: URSULA BÖTTCHER | 01.08.2011
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