Twike-Fahrer touren durch den Kreis
Uhingen. Sie sind ökobewusst und lieben das besondere Fahrgefühl: 15 Twike-Teams gaben sich ein Stelldichein im Landkreis. Sie kamen aus dem ganzen Ländle, einige sogar aus der Schweiz.
Gleich zwei Anlässe gab es für Twike-Fahrer, am Wochenende den Landkreis Göppingen anzusteuern: Die Energietage Baden-Württemberg und verschiedene Aktionen vor Ort, von Uhingen bis Donzdorf. Aber spezielle Anlässe brauchen Twike-Fahrer eigentlich nicht, um sich zu treffen. Das tun sie auch sonst. Sie sind eine verschworene Fangemeinde, es gibt weltweit nur 950 Twikes, sie fühlen sie sich wie eine große Familie. Wie Motorradfahrer auch.
Jürgen Fuchs aus Flein muss keine Sekunde überlegen, wie lange er sein Twike schon hat. "Zweieinviertel Jahre", sagt er wie aus der Pistole geschossen. Mit dem Twike begann für ihn ein neues Leben. 12 000 Kilometer ist er damit schon geräuscharm übers Pflaster gerollt, den Sommer über nimmt er nur das tiefliegende Elektroauto, das sich je nach Ausführung mit Pedalen beschleunigen lässt und sich in ein Cabrio verwandeln kann. Auch zur Arbeit fährt er sommers mit dem Twike. Nur im Winter darfs dann auch mal das Auto sein. Weil das Ökomobil keine Heizung hat.
Für Gerald Dietze aus Oppenweiler wars ein langer Weg zum dreirädrigen Elektromobil. Schon vor 15 Jahren ist er darauf aufmerksam geworden, immer wieder hat er damit geliebäugelt. Jetzt hat er einen Knopf drangemacht, seit zwei Monaten ist er Mitglied im Club. Warum? Wegen der nachhaltigen Energie, sagt er, und weil es Spaß macht. Er rechnet vor: Nur fünf bis sechs Kilowatt braucht er mit dem strombetriebenen Fahrzeug auf 100 Kilometer, eine Strecke bergauf kostet ihn kein müdes Kilowatt zusätzlich, weil bergab die Batterien wieder aufgeladen werden. "Es ist doch Wahnsinn", deklamiert er, "dass die Leute sich täglich in ein Auto mit einer Tonne Gewicht setzen, um damit zur Arbeit zu fahren. Beim Kaltstart braucht der Motor auch noch mehr Sprit, bis zur Ankunft ist er gerade erst warm."
Und dann das Fahrgefühl. "Wunderbar", schwärmt Thomas Mitlehner aus Niederstotzingen, "da sitzt man straßennah, das ist ein toller Ausblick. Und im Sommer kann man das Seitenfenster aufrollen." Klarer Fall für ihn, dass er auch zu den Twike-Treffen kommt, ein bis zweimal im Jahr. Mitlehner hat gute Chancen, dass er im nächsten Jahr ein Heimspiel hat: Da ist Heidenheim als Treffpunkt im Gespräch.
Gastgeber war diesmal German Baumhauer aus Bad Boll. Er hat die Twike-Freunde von weither in den Kreis gelotst und eine Tour zur nachhaltigen Energie zusammengestellt: von Ottenbach, wo eine Solaranlage eingeweiht wurde, über Uhingen, wo eine neue Stromtankstelle in Betrieb ging, zum Energietag nach Donzdorf, dazu noch mit ein Abstecher nach Süßen, wo es ein Wasserkraftwerk zu besichtigen gab. Für den Organisator, der auch für die Unterkunft sorgte, wars ein großes Erfolgserlebnis. "Super", schwärmt er. Nur schade, dass das Wetter dem Korso in Uhingen und an den anderen Stationen die Wirkung nahm. Die gewünschte Aufmerksamkeit ging baden.
Baumhauer ist durch besondere Umstände zum Twike gekommen. Er wollte sein Motorrad wieder entstauben, als ihm das Familienleben wieder Luft dafür ließ. Aber das passte nicht mehr zu ihm. Er hat nämlich mittlerweile großes Umweltengagement entwickelt, er kümmert sich um Solaranlagen, und da war ein Twike das richtige Fahrzeug. "Da fahre ich mit fünf bis zehn Prozent der Energie."
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Autor: JÜRGEN SCHÄFER | 27.09.2010
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Sind immer für ein Treffen zu haben: Twike-Fahrer aus dem ganzen Ländle beim Zwischenstopp in Uhingen. Foto: Jürgen Schäfer
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