Ringen um Neue Mitte

Ebersbach.  Die Stadt Ebersbach macht Druck: Der Gemeinderat hat die Erschließungsarbeiten für das Kauffmann-Areal vergeben. Hinter den Kulissen wird heftig darum gerungen, dass auch der Investor sein Soll erfüllt.

Nicht nur in der Ebersbacher Stadtverwaltung liegen die Nerven blank. Auch im Gemeinderat wächst die Sorge um die künftige Neue Mitte. Schließlich sollten auf dem Kauffmann-Areal längst die Baumaschinen rumoren. Wie berichtet, hat der Investor ein geologisches Gutachten in Auftrag gegeben, unter anderem um eine mögliche Beeinträchtigung durch Grundwasser zu prüfen. Mancher Ebersbacher reibt sich verwundert die Augen und fragt sich, weshalb die Untersuchung erst jetzt kommt. Kämpfen doch die Hausbesitzer rund um das Kauffmann-Areal bei steigendem Filspegel permanent mit eindringendem Grundwasser. Nicht zuletzt deshalb war auch beim Neubau des neuen Rathauses auf eine Tiefgarage verzichtet worden.

Nach Informationen der NWZ waren die Anbieter in der EU-weiten Ausschreibung für die Neubebauung über die Grundwasserproblematik informiert. Die Stadt hatte eine Grobuntersuchung beigefügt. Jedoch sei derselbe Gutachter in einer Detailuntersuchung zu einem anderen Ergebnis gekommen, so dass ImmoInvest nun selbst ein weiteres Gutachten erstellen lässt. Offenbar gibt es nun zwischen Stadt und Investor einen Dissens, ob die Untersuchung, auf dessen Grundlage die Bieter ihre Angebote abgegeben haben, ausreichend war.

Hinter den Kulissen wird vehement um einen baldigen Baubeginn gerungen. "Es geht drunter und drüber, eine Sitzung jagt die andere", verlautet es aus Gemeinderatskreisen. In nichtöffentlicher Sitzung wurden die Stadträte am Dienstagabend über den Stand der Dinge informiert. Demnach will ImmoInvest die Stadt an eventuellen Mehrkosten beteiligen - im Raum steht eine Forderung von rund 900 000 Euro. Als weitere Alternativen stünden der Bau einer kleineren Tiefgarage oder eine Aufhebung des städtebaulichen Vertrags zwischen Investor und Stadt im Raum. Bei ImmoInvest war gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Und Bürgermeister Sepp Vogler erklärt lediglich: "Es gibt im Moment Gespräche zwischen Investor und Stadt, aber keinerlei Ergebnisse und Übereinkünfte." Indes macht der Rathauschef unmissverständlich deutlich: "Wir haben einen städtebaulichen Vertrag mit dem Investor. Die Stadt erfüllt ihren Part und erwartet dasselbe vom Vertragspartner." In punkto der Vereinbarung sieht sich die Kommune offenbar auf der sicheren Seite. Eine weitere Kostenbeteiligung der Stadt jedenfalls sei mit den Stadträten nicht zu machen.

Deshalb hat der Gemeinderat jetzt ein deutliches Signal gesetzt und in seiner jüngsten Sitzung für mehr als 1,5 Millionen Euro den Auftrag für den Ausbau der Bahnhof- und Ludwigstaße sowie die Zufahrt zur Tiefgarage auf dem Kauffmann-Areal vergeben. Im September sollen in der Ludwigstraße die Bagger anrollen und den Graben für einen neuen Kanal ausheben. Wann der Investor endlich loslegt, steht nach wie vor in den Sternen. Bislang hat ImmoInvest noch kein einziges der Projekte ausgeschrieben. Hermann Weber hatte vor kurzem erklärt, ImmoInvest könne erst loslegen, wenn das Ergebnis des geologischen Gutachtens vorliege.


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Autor: KARIN TUTAS | 30.07.2010

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