Offensive für Betreuungsqualität

Ebersbach.  Weniger Schließzeiten, mehr Zeit für die Arbeit mit Kindern, gerechtere Bezahlung der Erzieherinnen. Der Ebersbacher Gemeinderat hat ein Konzept zur Qualitätsverbesserung in Kindergärten beschlossen.

"Familienfreundliches Ebersbach" lautet das oberste Ziel. Wer junge Familien ansiedeln und dem Bevölkerungsschwund entgegenwirken will, kommt nicht umhin, moderne und qualitativ hochwertige Kindertagesstätten zu entwickeln, hat Sozialmanagerin Rebecca Harscher den Ebersbacher Ratsfraktionen ins Stammbuch geschrieben. Die Bürgervertreter haben am Dienstagabend denn auch einmütig dem von der Sozialmanagerin ausgearbeiteten Konzept zur Qualitätsentwicklung in Kitas zugestimmt.

Die "Ebersbacher Lösung" steht auf mehreren Säulen. So soll ab dem kommenden Kindergartenjahr ein aus Elternsicht großes Ärgernis beseitigt werden: Die Schließtage in den städtischen Einrichtungen werden auf 25 bis 26 reduziert. Bislang müssen Ebersbacher Eltern 35 bis 38 Tage überbrücken, an denen die Kindergärten geschlossen sind. Gleichzeitig wurde der Ruf nach mehr Ferienbetreuung laut. "Wenn wir weniger Schließtage haben, brauchen wir weniger Ferienbetreuung", lautet die Konsequenz aus Sicht der Sozialmanagerin. Harschers Konzept sieht nun eine flexible Urlaubsplanung in den Kita-Teams vor. "Das ist eine große Herausforderung für die Teams", sagt die Sozialmanagerin, die es als ihre Aufgabe sieht, gemeinsam Lösungen zu finden, die den unterschiedlichen Bedingungen der einzelnen Einrichtungen gerecht werden.

Um mehr Zeit für die Arbeit mit den Kindern zu gewinnen, werden die Leiterinnen künftig pro Gruppe zehn Prozent ihrer Arbeitszeit für Leitungsaufgaben bekommen. Aus Sicht Harschers ein überfälliger Schritt: "Andere Kommunen sind da schon weiter." Die Sozialmanagerin macht aber unmissverständlich deutlich, dass die Freistellung nicht zu Lasten der erzieherischen Aufgaben gehen dürfe. Eine entsprechende personelle Aufstockung sei unumgänglich. Diese soll je nach Anforderung sehr individuell ausgestaltet werden. So werde sich zum Beispiel der Kindergarten Schulstraße mit einem hohen Migrationsanteil zu einer Einrichtung mit dem Schwerpunkt Integration und Inklusion entwickeln. Dafür werde eine halbe Stelle für eine heilpädagogische Fachkraft geschaffen, wobei hier der Landkreis einen Teil der Kosten aus der Integrationshilfe übernehme.

Veränderungen stehen auch in Weiler und Sulpach an. Mit Beginn des Ruhestands der Leiterin des Kindergartens Weiler wird das "Kinderland Weiler-Sulpach" entstehen. Dabei werden zwar beide Standorte erhalten, jedoch die Mitarbeiterinnen bilden ein Team mit einer Leitung in Sulpach. Statt gruppenorientiertem Arbeiten soll Teamarbeit künftig in allen städtischen Einrichtungen gelten. Mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel hat der Gemeinderat auch eine gerechtere Bezahlung der Mitarbeiterinnen beschlossen. Demnach wird nicht mehr zwischen Gruppenleitung - sie fällt weg - und Zweitkräften unterschieden, die bislang als Kinderpflegerinnen eingruppiert sind. "Alle werden wie Erzieherinnen bezahlt", erklärt Harscher.

Die Veränderungen wird es nicht zum Nulltarif gegen. Rund 89 000 Euro Mehrkosten kommen auf die Kommune jährlich zu. Demgegenüber stockt das Land die Zuwendungen an die Kommunen für Kindergärten deutlich auf.


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Autor: KARIN TUTAS | 03.02.2012

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