Mit der Marie am Kachelofen

Uhingen.  Unterhaltsam-amüsante Glanzlichter für Schwaben, Badener und Reigschmeckte setzten die Schwarzwald-Familie Seitz und Mundart-Autor Bernd Merkle zugunsten der "Guten-Taten" im Uhinger Uditorium.

"Welt wie bist du schön" - mit glockenreinen Stimmen nahm die Schwarzwaldfamilie Seitz ihr Publikum mit auf einen Streifzug durch ihre zauberhafte Heimat. "Wir kommen aus einem kleinen Dorf, wo jeder jeden kennt", erklärte Gabi Seitz, die mit verbindenden Worten zwischen den Liedern in die kleinen Geheimnisse der Genießer-Region einweihte. Augenzwinkernd beschrieb die sympathische Chefin der Truppe, was es mit dem klassischen Bollenhut auf sich hat. Hohe Tannen, malerische Landstriche, Brauchtum, kulinarische Schmankerl und dazwischen die "Kleine Schwarzwaldmarie" - das Publikum erfuhr manches über Kultur und Tradition des Mittelgebirges im Ländle. In typisch regionaler Tracht nahmen Gabi, Annette, Manuela sowie Karl-Heinz am Keyboard gemeinsam mit dem Publikum Platz am heimeligen Kachelofen in der Bauernstube. Beim gemächlichen "Tick-Tack" des urigen Zeitmessers an der Wand und dem "Holzwurm in der Kuckucksuhr" verbreitete das Quartett Harmonie und Sehnsucht an die heile Welt längst vergangener Tage.

Tief hinein in die schwäbische Seele blickte indes Bernd Merkle. Der Mundart-Autor aus Albershausen hielt den Schwaben mit ganz banalen Situationen den Spiegel vor. Ist der Schwabe mürrisch? "Noi, mir schwätzet au mit de Leit - wenn mr wellat". Wie es einem maulfaulen Schwaben bei einer Zugfahrt von Ulm nach Stuttgart ergeht, der von einem hochdeutsch sprechenden Weinfreund zur Weißglut getrieben wird, erwies sich als ebenso köstlich wie der Abstecher zum "Seniorennachmittag". Auch mit deftiger Hausmannskost, wie dem Kartoffelsalat, der "schwätza" muss, bis hin zum Schwäbischen Fünf-Gänge Menue ("a Roschtbrata ond vier Viertele Wein") verstand es Bernd Merkle bestens, die Lachmuskeln kräftig in Bewegung zu setzen.

Mit einem Wunschkonzert begeisterte die Schwarzwaldfamilie Seitz, inzwischen in elegante Robe geschlüpft, im zweiten Teil der Show. Ihr Repertoire umfasst 564 Titel, von gediegen bis fetzig, zum Träumen und Mitklatschen. Querbeet durfte sich das Publikum die schönsten Lieder wünschen, die seit vier Generationen musizie-rende Familie erfüllte alle Anfragen und die Besucher spürten deren Leidenschaft für den Gesang.

Das brasilianische Lied mit einem andächtigen Ave Maria, "Mamma Mia" von Abba, den Gospel "O happy day" oder den Schlager "Mitten im Paradies". Wieviel Power Gabi Seitz auszudrücken vermag, stellt sie mit ihrem kraftvollen Stimmvolumen, das mehr als fünf Oktaven umfasst, auch mit dem hinreißend interpretierten Chanson "Non, je ne regrette rien" von Edith Piaf unter Beweis. Der akustische Genuss "Bei uns daheim" näherte sich langsam seinem Ziel, und die Reise durch Baden und Schwaben endete mit begeistertem Applaus und Zugaben. Man hätte gerne noch ein Weilchen mitreisen mögen.

Das Salacher Ingenieurbüro Thomas Herp hatte den Unterhaltungsabend im Uditorium mit Unterstützung vieler Helfer zu Gunten der NWZ-Aktion "Gute Taten" organisiert. Thomas Herp, mit der Schwarzwaldfamilie Seitz verwandt, dankte auch den Sponsoren des Abends, die dieses kulturelle Angebot möglich gemacht hatten. Das Catering-Team von der Staufen Arbeits- und Beschäftigungsförderung (Waldeckhof Jebenhausen) sorgte für die Bewirtung mit Wein, Flammkuchen und Schafsmilcheis, außerdem gab es Info-Tische mit Prospekten aus dem Schwarzwald und dem Schwabenland.


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Autor: ULRIKE LUTHMER-LECHNER | 19.11.2011

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