Gute Nachbarschaft spart viel Geld

Uhingen.  Eine gute Nachbarschaft ist viel wert. Und kann Geld sparen. Eine Häusergemeinschaft im Nibelungenweg in Uhingen belegt dies eindrucksvoll.

Schmucke Reihenhäuser mit bunt blühenden Vorgärten, miteinander verbunden durch gepflegte Wege - so präsentieren sich dem Besucher die 22 Gebäude im Nibelungenweg in Uhingen, die sich durch eine Besonderheit auszeichnen: Die Hausverwaltung erledigt nicht ein professionelles Unternehmen, die Eigentümer haben diese Aufgabe selbst in die Hand genommen.

Harald Würzberg und ein vierköpfiger Beirat engagieren sich ehrenamtlich, kümmern sich gemeinsam um alle Belange der Wohnanlage. Das spart für ihre Eigentümer bares Geld. "18 Euro im Monat" sind etwa in einer Eislinger Anlage zu bezahlen, weiß Werner Lorenz. Dieses Geld können die 22 Familien sparen. Ihre monatliche Umlage wird ausschließlich für Unkosten aus der Anlage wie für die Beleuchtung der Wege oder künftige Investitionen verwendet. Zudem werden Arbeiten, die von Bewohnern selbst ausgeführt werden können, ehrenamtlich geleistet. "Jeder bringt seine Talente ein", bekräftigt Würzberg.

Die Beiratsmitglieder sind auch Ansprechpartner, wenn es Probleme gibt. Die gibt es natürlich auch in diesem Wohnquartier. Da blockiert jemand über längere Zeit einen Parkplatz, schippt im Winter den Schnee nicht ordentlich, oder es wird ein bellender Hund als störend empfunden. Im Nibelungenweg wird dann aber nicht sofort ein Rechtsanwalt eingeschaltet. In persönlichen Gesprächen, "auf ruhige und vernünftige Art", ist es den vier Beiräten und Würzberg in den vergangenen 25 Jahren immer gelungen, alle Unstimmigkeiten zu beseitigen. Damals war die Wohnanlage speziell für Uhinger unter dem Aspekt "preiswertes Wohneigentum für Familien" gebaut worden.

Von den 22 Eigentümern, die 1985 eingezogen sind, wohnen immerhin noch 17 da. "Wir haben uns alle jung kennen gelernt und sind miteinander älter geworden. Wir kennen einander gut", bekräftigt Anneliese Schlieben und hat da vielleicht das Erfolgsrezept für das gute nachbarschaftliche Miteinander verraten. Dazu gehört für sie aber auch "eine gewisse Toleranz", die im Nibelungenweg offensichtlich vorhanden ist. Und Kameradschaftlichkeit. "Wir informieren uns, wenn es einmal wegen eines Festes oder Handwerkerarbeiten etwas laut werden wird." Das gute Miteinander zeigt sich besonders dann, wenn einmal im Jahr auf dem Parkplatz gemeinsam gefeiert wird.

Diese Konstruktion der ehrenamtlichen Hausverwaltung soll fortgeführt werden, "so lange es geht", räumt Harald Würzberg ein. Denn das Wohnen im Reihenhaus kann für den einen oder anderen mit zunehmendem Alter beschwerlich, vielleicht sogar unmöglich werden. "36 Stufen sind es vom Keller bis oben", weiß der pensionierte Postbeamte. Und die könnten zum unüberwindlichen Hindernis werden. Ob sich für die ehrenamtlichen Beiratsmitglieder dann unter neuen und jüngeren Bewohnern Nachfolger finden lassen, da ist sich Werner Lorenz nicht sicher. "Die Menschen ziehen sich immer mehr ins Private zurück. Vorläufig aber fühlen wir uns alle wohl hier." Und lachend stellt Lorenz fest: "Wir haben auch schon über Treppenlifte nachgedacht."


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Autor: MARGIT HAAS | 08.09.2010

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