Ein Regelwerk für die "boshafte Welt"

Uhingen.  Die Katastrophe von Köln hat Archive verstärkt ins Bewusstsein gerückt. Die NWZ stellt herausragende Archivalien aus dem Uhinger Stadtarchiv vor.

Eine spannende Geschichte rankt sich um das "Gemeinderechtsbuch von Holtzhausen", das im Uhinger Stadtarchiv aufbewahrt wird. In ihm wurden 1714 sämtliche alten Rechte und Pflichten zusammengefasst. Notwendig geworden war dies "wegen ständiger Streitereien in der boshaften Welt der Menschen", verkündet es. Damals wurden also "alle alten Urkunden und Schriftstücke abgeschrieben und in diesem Buch übersichtlich zusammengefasst", erklärt Stadtarchivarin Carola Eberhard. Dazu gehörte, wem welche Güter gehörten, wer Bürgerrechte besaß oder wer welche Fronen zu leisten hatte. Ein wichtiges Kapitel war der Unterhalt der Straßen und Wege. Im Gemeinderechtsbuch war aber auch die Schule geregelt, die es ab 1702 "mit einem Schul- und Lehrmeister alleine" in Holzhausen gab. Bis dahin waren die Kinder nach Uhingen zur Schule gegangen.

Dieses Buch enthält also die ältesten erhaltenen schriftlichen Dokumente und stellt somit eine der wichtigsten Quellen für Holzhausen dar. Dennoch war es jahrzehntelang verschollen - unter nie geklärten Umständen aus dem Archiv der Gemeinde verschwunden. Um 1935 herum mussten alle Gemeinden ihre Archivbestände auflisten - da fehlte das Gemeinderechtsbuch schon. Und blieb verschollen. 30 Jahre später bot es ein Göppinger Antiquar Kreisarchivar Manfred Akermann zum Preis von 180 Mark zum Kauf an. Der empfahl der Gemeinde, "es unbedingt zu erwerben". Das wollte der Gemeinderat aber überhaupt nicht und diskutierte hitzig darüber, es einfach zu behalten, sei es doch schließlich Besitz der Gemeinde. Nur mit Mühe war es Bürgermeister Sailer damals gelungen, das Gremium davon zu überzeugen, es dem Antiquar ordentlich abzukaufen.

Seither ist das Buch wieder dort, wo es hingehört. "Es ist schön gemacht", stellt die Archivarin fest. Ursprünglich enthielt es 130 Blatt, erhalten haben sich 112. Bis 1840 war es ständig fortgeschrieben worden, wichtige Rechte waren teilweise gesiegelt worden.


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Autor: MARGIT HAAS | 18.03.2010

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