25 trockene Kuchen zur "Kerbe Kaffee"
Ebersbach. Unter dem Motto "Guat gmoint und saudumm gloffa" kredenzte Wilfried Albeck mit Wortwitz Klassiker und Neues vom "Saitenwurscht-Äquator".
"Jedes Mal, wenn ein Mensch lacht, fügt er seinem Leben ein paar Tage hinzu", konstatierte einst der italienische Schriftsteller Curtio Malaparte. Schenkt man diesem Ausspruch Glauben, dann werden die rund 40 Freunde der schwäbischen Mundart, die sich trotz Eis und Schnee ins warme, gemütliche "Tintenfässle" durchgekämpft haben, wohl einige Tage mehr ihres Lebens genießen dürfen. Zum Lachen und Schmunzeln gab es so einiges.
Vier Jahre ist die letzte Lesung Wilfried Albecks in Ebersbach schon her. Dass es so lang gedauert hat, sei "saudumm gloffa", scherzt in Anlehnung an Albecks Buchtitel Andreas Passauer von der Kulturwerkstatt, die mit dem Ehepaar Grubmüller vom Schreibwaren- und Buchladen "Tintenfässle" diese Veranstaltung organisierte.
Albeck schreibt nicht nur Prosa, er macht auch Gedichte, etwa über die Energiekrise, womit der Fleiner seine kabarettistische Lesung beginnt, eine Lesung, die eher ein Vortrag ist, denn er liest eigentlich nie ab, weiß alles auswendig. Es sind oft banale Dinge, Themen der heutigen Zeit, die Albeck mit seinem feinsinnigen Humor so haarsträubend-witzig darstellt, dass kein Auge trocken bleibt. Immer wieder verblüfft der Schwabe von "unna ruff" durch das vielfältige Spektrum seiner Stimmlage in Dialogen wie zur Männerwirtschaft oder bei den 25 trockenen Kuchen für den "Kerbe Kaffee". Der Landesliteraturpreisträger 2007 hat sie alle drauf: den kleinen Jungen mit der Fistelstimme bis hin zur keifenden Furie.
Albeck muss seine Mitmenschen genau beobachten, sonst würden seine Geschichten nicht so realistisch wirken. Man fiebert mit beim "Hendla" (Streiten) über die Kehrwoche, sieht die innige Kontaktaufnahme eines Kleinkinds mit Linsen, Spätzle und Saitenwürstchen bildlich vor sich. Auch derbe Worte fallen, aber der Gentleman-Schwabe geht dabei nie unter die Gürtellinie. "Eiwandfrei", so urteilt das amüsierte Publikum und zollt der etwas anderen Lesung viel Applaus.
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Autor: SABINE SCHWEICKHARDT | 13.03.2010
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