Bildungsstreik in neue Runde
Stuttgart. 1000 Schüler, Studenten und Auszubildende beteiligten sich gestern auch in der Stuttgarter Innenstadt an einem Protestzug. Das Motto der Demonstranten lautete: "Dem System das Fürchten lehren".
Studenten, Auszubildende und Schüler haben gestern auch in der Landeshauptstadt ihren Bildungsstreik fortgesetzt. Unter dem Motto "Dem System das Fürchten lehren" forderten in der Innenstadt nach Polizeiangaben etwa 1000 Teilnehmer des Protestzugs mehr Mitspracherechte, kleinere Klassen sowie die Abschaffung von Kita- und Studiengebühren.
Mit Trillerpfeifen und Megafonen machten die Streikenden am Morgen ihrem Unmut Luft. Immer wieder ertönten Schlachtrufe wie "Wir sind hier, wir sind laut, weil man unsere Bildung klaut" oder "Bildungsstreiks im ganzen Land - unsere Antwort: Widerstand". Transparente und Spruchbänder wurden in die Höhe gehalten. "Stopp den Schavansinn" war darauf in Anspielung auf Bundesbildungsministerin Annette Schavan zu lesen oder "Bildung krepiert, da Dummheit regiert". Während die Organisatoren des Streiks von bis zu 5000 Teilnehmern sprachen, bezifferte die Polizei deren Zahl auf 1000.
Damit nahmen allerdings deutlich weniger Personen an der Demonstration teil als im Vorjahr. Damals hatten sich im Juni in der Stuttgarter Innenstadt bis zu 10 500 Personen zum größten Bildungsprotest seit Jahren versammelt. "Es ist wichtig, dass wir versuchen, die Regierung weiter aufzurütteln und auf uns aufmerksam zu machen", sagt ein 22-jähriger Student der Umwelttechnik. An den Anliegen der Demonstranten hat sich seit dem ersten Bildungsstreik wenig verändert. Zum einen verlangen sie mehr Geld für das System: Der Bereich Bildung sollte von der Kita bis zur Uni kostenlos sein. Protestiert wird aber auch gegen das so genannte Turbo-Abitur, sprich: die Verkürzung der Gymnasialzeit um ein Jahr, und gegen eine Verschulung der kürzeren Bachelor-Studiengänge. Über Lautsprecher prangerte ein Schülervertreter lebensferne Unterrichtsinhalte und vollgestopfte Lehrpläne an. Dies führe zu "stumpfem Auswendiglernen".
Zu den Teilnehmern gehörte auch die 16-jährige Tamara. Die Stuttgarterin würde am liebsten das dreigliedrige Schulsystem abschaffen. Natürlich sei ihr bewusst, dass das kaum durchzusetzen ist. Trotzdem hält sie den Protest für wichtig: "Ich finde es schlimm, dass Schüler mit zehn Jahren selektiert werden." Dass sie wegen ihrer Teilnahme an der Demonstration Probleme bekommt, schließt sie aus. "Eine Entschuldigung der Eltern reicht bei uns aus. Schülern anderer Einrichtungen wurden jedoch härtere Sanktionen angedroht."
Auch in anderen Städten in Baden-Württemberg gingen Schüler und Studenten auf die Straße. In der Innenstadt von Karlsruhe demonstrierten nach Angaben der Polizei zeitweise 2500 Teilnehmer, in Tübingen waren es etwa 800 Demonstranten. Zu dem Protest hatte ein breites Bündnis aufgerufen, dem neben Schülern und Studenten auch Gewerkschaften und politische Gruppierungen angehören.
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Autor: ANDREA EISENMANN | 10.06.2010
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"Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut", skandieren die Teilnehmer des Protestzugs durch die Stuttgarter Innenstadt. Foto: Andrea Eisenmann
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