Äffle und Pferdle im Geburtstagsfieber

Stuttgart.  Äffle und Pferdle sind im Geburtstagsfieber: Die schwäbischen Pausenfüller im öffentlich-rechtlichen Fernsehen werden 50 Jahre alt. Armin Lang junior will die zwei Kultfiguren weiter am Leben erhalten.

Armin Lang junior sitzt an einem Schneidetisch im Erdgeschoss seines Elternhauses. Auf dem Computerbildschirm blicken zwei bekannte Stars heraus: das Äffle und Pferdle. Mit Sprüchen wie "s Äffle isch heid net dahoim" verewigten sich Äffle und Pferdle in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Ihr Humor ist trocken und bescheiden - typisch schwäbisch eben.

Bescheiden habe es angefangen, sagt Armin Lang junior, Werbefilmer und Sohn des Äffle- und Pferdle-Erfinders Armin Lang. 1959 meldete sich der damalige SDR (heutige SWR) bei Armin Lang senior. Der Sender wollte eine Figur zwischen den Werbespots - und Armin Lang senior sollte diese schaffen. Das Stuttgarter Wappentier, das Rössle, wurde schnell als Vorlage ausgewählt. Armin Lang setzte sich mit einem Team von vier Leuten hin und zeichnete verschiedene Entwürfe des Pferdles.

"Am 2. Januar 1960 wurde der erste Spot gesendet", erzählt Lang junior. Das Pferdle kam damals noch allein daher: Als eine stilisierte Strichzeichnung in schwarz-weiß, die das Wappentier, das mit einem massigen Leib und "Steckelesfüß" ausgestattet war, meist nur im Profil zeigte. Armin Lang senior, der bis zuletzt alle Dialoge textete und der Hauptphasenzeichner war, entwickelte das Pferdle weiter. 1964/65 wurde es comichafter und detaillierter, zudem wurde es mit mehr Mimik, einem beweglichen Hals - und vor allem mit richtigen Füßen ausgestattet. Trotzdem zermarterte er sich den Kopf: Eine neue Idee musste her. "Zunächst dachte mein Vater daran, dem Pferdle einen Elefanten mit großen Ohren an die Seite zu stellen", sagt Sohn Armin Lang. Doch dann sei ihm Walt Disney mit "Dumbo" dazwischen gekommen. Dann sollte es ein Hamster namens Maultäschle sein.

Der Sender jedoch dachte in größeren Dimensionen. Also probierte Lang, wie ein Affe passen könnte. "So war auch der Bezug zur Wilhelma geschaffen", erinnert sich der Werbefilmer. Das Äffle war am Anfang allerdings ein Affe. Ein Kerlchen, der es fortan zusammen mit dem Pferdle bunt trieb. 1967 wurden das Äffle und das Pferdle tatsächlich farbig. "1970 hagelte es Beschwerden von Afroamerikanern, die sich beschwerten, das Äffle würde sie diskriminieren", so Lang. So wurde der Affe zum Äffle.

1974 lernten das Pferdle und das Äffle sprechen: Sie bekamen Stimmen. Nach einer kurzen Anfangsphase sprach Armin Lang die Stimmen beider Figuren selbst - im urschwäbischen Dialekt, und dass, obwohl er eigentlich aus Bayern stammte. "Viele Geschichten hat mein Vater selbst erlebt. Man müsse den Menschen nur auf den Mund schauen, hat er immer gesagt." So gehörten das Äffle und Pferdle zur Familie Lang. "Sie waren fast wie kleine Brüder für mich", sagt Armin Lang junior und lacht. Im 1976 geschaffenen "Hafer- und Bananenblues" bewies sein Vater auch sein gesangliches Talent - das Lied wurde im Radio gespielt und kam sogar in die nationalen Charts. 1982 erschien die erste und einzige Langspielplatte vom Pferdle und Äffle.

1985 kam ein neues Problem auf: "Die Badener und Kurpfälzer fühlten sich benachteiligt", so Lang. So musste eine dritte Figur her: Die kurpfälzische Pudelhündin Schlabbinchen wurde somit auch die erste Quotenfrau - gesprochen wurde sie von der Schauspielerin Elsbeth Janda. Nach Armin Langs Tod 1996 übernahm Peter Barkow die Stimme der Figuren. Ein paar Jahre später stellte der SWR die Produktion der Spots ein. Die Sympathieträger sind jedoch immer noch auf dem Fernsehbildschirm präsent, vorausgesetzt, man schaut über DVBT oder Kabel. Das Lebenswerk des Vaters umfasst heute 1900 Spots. Die dazugehörigen Filmrollen, Skizzen, Zeichnungen, Storyboards und Regieanweisungen stapeln sich im weitläufigen Keller des Elternhauses am Killesberg, damals wie heute auch Sitz der Firma Lang-Film. Produziert werden in den Büros im Erdgeschoss von jeher überwiegend Werbefilme für Wirtschaft und Industrie, die öffentlich-rechtlichen Kultviecher Äffle und Pferdle sind dennoch allgegenwärtig.

Ein Familienkalender für dieses Jahr wurde produziert, ein Buch mit der Geschichte und Geschichten vom Äffle und dem Pferdle soll ebenfalls erscheinen. Außerdem denken Lang und sein Texter Heiko Volz über ein kleines Museum nach, in dem das reiche Erbe ausgestellt werden könnte. "Wir merken jeden Tag, wie groß das Interesse immer noch ist", sagt Lang. Die Fangemeinde ist so groß wie früher, als noch jedem einzelnen Werbespot ein Äffle-und-Pferdle-Auftritt folgte. Die Verwertungsrechte an den TV-Spots hält bis heute der SWR. "Wir werden die beiden am Leben halten", hat sich Armin Lang ganz fest vorgenommen.


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