Tasci ist "Stuttgarter Junge"

Stuttgart.  VfB-Kapitän Serdar Tasci besuchte jetzt die Friedrich-von-Cotta-Schule, die er 2007 mit der Fachhochschulreife verließ. Er ist Pate für das Projekt des Stadtmuseums "Meine Stadt - meine Geschichte".

Rückkehr an die alte Wirkungsstätte: VfB-Kapitän Serdar Tasci beantwortete die Fragen der Klasse WS1b der Berufsfachschule, an der innerhalb von zwei Jahren die Mittlere Reife erreicht wird. An seiner alten Schule hatten Schüler Interviews zum Thema Einwanderung und Migration geführt. Da die Friedrich-von-Cotta-Schule "Eliteschule des Sports" ist, sind auch in dieser Klasse vielversprechende Sporttalente: drei Fußballer, ein Ringer, ein Boxer und zwei Sprinter. "Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Chance hatte", blickte Tasci zurück. "Ich durfte trainieren und habe die Schule trotzdem nicht vernachlässigt." Das habe vieles erleichtert.

Stuttgart bedeutet ihm sehr viel. "Es ist Heimat. Ich bin ein Stuttgarter Junge." Das werde immer so bleiben, obwohl ein Großteil seiner Familie, außer Eltern und Geschwister, in der Türkei am Schwarzen Meer lebt. Sprache sieht er als größtes Problem bei der Integration. "Die Sprache zu lernen, ist erste Voraussetzung." Auch die Kultur sei wichtig, ohne jedoch seine eigene Herkunft zu vergessen. Als Profispieler habe er es einfacher gehabt. "Da hat man Spieler vieler Nationalitäten um sich, lernt viele Kulturen kennen." Alle verbinde ein Ziel: "Man will erfolgreich sein." Tasci, auch Integrationsbotschafter des DFB und Pate für das Stadtmuseum, stiftete dem Museum sein Trikot. "Ich wollte etwas Persönliches geben. Das Trikot spielt für mich eine große Rolle."

Denn im Stadtmuseum, das 2016 im Wilhelmspalais eröffnet werden soll, wird die Geschichte der Zuwanderung nach Stuttgart erzählt und die Dinge, die damit verbunden sind. "Das ist sehr vielfältig", beschreibt Markus Speidel vom Planungsstab Stadtmuseum Stuttgart. Erzählt und sichtbar gemacht werden sollen die Geschichten der Menschen in der Stadt. Die Klasse der Cotta-Schule trägt einen Teil dazu bei. 21 der 24 Schülerinnen und Schüler haben Migrationshintergrund.

Im Rahmen des Projekts wurden Interviews mit Menschen aus ihrem Umfeld geführt, die zugewandert sind. Irini Kapetopoulos erzählte von ihrem Vater, der 1969 als Zehnjähriger aus Griechenland nach Stuttgart kam und nach dem Hauptschulabschluss eine Lehre als Elektroinstallateur machte. Von seinem Vater erhielt er den Tipp, sich einen Fernseher zuzulegen, um die Sprache zu lernen. "Er vermisst seine Familie und das Meer." Als Rentner wolle er zwischen beiden Ländern pendeln.

Sebastian Gleissner berichtete von einem Freund seines Vaters, der mit 19 aus Argentinien kam, um als Fußballprofi Karriere zu machen. Der Erfolg blieb aus. Ein Problem dabei: Er konnte die Sprache nicht richtig. Inzwischen arbeitet er als Hausmeister, unterstützt seine beiden Söhne bei der Fußballerlaufbahn, habe sich "super hier eingelebt".

Regina Klaus erzählte von ihrer Familie, die als Russlanddeutsche von Sibirien nach Stuttgart kam. "Eigentlich ist Deutschland meine Heimat", sagt sie, "aber es ist mehr ein Zwischending". Sie und ihre Familie fühlten sich als "Deutsche aus Russland".


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: EDGAR REHBERGER | 02.02.2012

Google 1+

Zwischen Bachtal-Schönheit und Miss Deutschland

Sie ist Miss Bayern. Jetzt tritt sie auch bei der Wahl zur schönsten Frau Deutschlands an. Die Rede ist von Sarah-Lorraine Riek aus Syrgenstein. Ob sie nun die Krone ins Bachtal holt oder nicht – die 19-Jährige ist gewappnet.... mehr
Voith Paper Technology Center

Voith Paper baut in Heidenheim 280 Stellen ab

Der Schnitt war angekündigt, fiel aber offenbar härter aus als erwartet: Angesichts drastischer Einbrüche am Markt für grafische Papiere will Voith Paper in Deutschland und Österreich über 700 seiner 2800 Stellen streichen.... mehr
Schwerer Unfall bei Brenz

Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz

Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr

Familie muss ausziehen - Fünf Kinder in Wohnungsnot

Neu-Ulm Eine Alleinerziehende steht am 8. Juli mit ihren fünf Kindern auf der Straße, wenn sie keine Wohnung findet. Bisher ohne Erfolg, trotz professioneller Unterstützung der Wohnberatung der Neu-Ulmer Diakonie.... mehr

Amok-Alarm an Schule in Memmingen - Fahndung nach Täter läuft

Memmingen Amok-Alarm hat am Dienstagnachmittag ein 15-jähriger Schüler der achten Klasse in Memmingen (Bayern) ausgelöst. Der Junge hatte die Lindenschule, eine Grund- und Hauptschule, mit zwei scharfen Waffen betreten und mehrere Personen bedroht. Auch ein Schuss fiel.... mehr

Amok-Alarm an Memminger Schule: Waffen gehören dem Vater

Memmingen Die Waffen des 14-jährigen Schützen aus Memmingen gehören dessen Vater. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch als Ergebnis erster Ermittlungen zu dem Amokalarm mit. Der Vater sei ein Sportschütze.... mehr