Streit um Gedenkort am Karlsplatz dauert an
Stuttgart. Im neuen Quartier am Stuttgarter Karlsplatz soll ein NS-Dokumentationszentrum eingerichtet werden. Die Landesregierung lehnt dies strikt ab.
Der Architektenwettbewerb für das Quartier am Karlsplatz wurde im März entschieden. Seitdem wird darum gestritten, wie die NS-Geschichte des berüchtigten Hotel Silber an der Dorotheenstraße architektonisch und inhaltlich in den Gebäudekomplex integriert werden kann.
Die Pläne für das Gemeinschaftsprojekt des Landes und der Firma Breuninger sehen im Moment vor, im neuen Büro- und Geschäftskomplex einen 50 bis 100 Quadratmeter großen Raum im Erdgeschoss mit Informationen über die nationalsozialistischen Verbrechen in der ehemaligen Gestapo-Zentrale zu schaffen - und im Keller, wo sich damals die Verwahrzellen befanden - einen Ort der Stille zum mahnenden Gedenken.
Die SPD-Landtagsfraktion hingegen fordert, im Neubau 2000 Quadratmeter Fläche für das NS-Dokumentationszentrum vorzuhalten. Doch die Landesregierung winkt ab. Sie hält die geplante Form des Erinnerns "angesichts der breiten, dezentral angelegten Gedenkstättenarbeit in Baden-Württemberg und im Hinblick auf die aktuellen Planungen der Stadt Stuttgart zum neuen Stadtmuseum im Wilhelmspalais für angemessen und ausreichend", heißt es in der Stellungnahme des Finanzministeriums zum SPD-Antrag.
Die Schaffung eines zentrales Dokumentationszentrums hält man für unnötig: "Die Vielzahl der Gedenkstätten und Einrichtungen zur NS-Zeit in Baden-Württemberg zeigt, dass im Land eine gewachsene, funktionierende und von der Fachwelt anerkannte dezentrale Kultur des Erinnerns an die NS-Zeit besteht." Diese Einrichtungen würden jährlich von rund 200 000 Menschen besucht, darunter 40 Prozent Jugendliche und Schüler. Der geplante Gedenkort im Stuttgarter Neubaukomplex werde die flächendeckende Struktur der Gedenkstättenlandschaft sinnvoll ergänzen.
Der stellvertretende Fraktions- vorsitzende Nils Schmid will sich damit jedoch nicht abspeisen lassen. Er kündigt an, das strittige Thema im Mai im Finanzausschuss des Landtags auf die Tagesordnung setzen und so den Druck auf die Landesregierung verstärken zu wollen. Schmid weist darauf hin, dass sich im Stuttgarter Gemeinderat Mehrheiten abzeichnen für ein zentrales NS-Dokumentationszentrum.
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Autor: ELKE HAUPTMANN | 26.04.2010
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