Sollte ein Cousin den Schwager töten?
Stuttgart. Wegen Anstiftung zum Mord ist ein 36-jähriger Mann aus Kirgistan vor dem Stuttgarter Landgericht angeklagt.
Ein Mensch sollte wegen seiner Religionszugehörigkeit getötet werden. So jedenfalls sieht es der Staatsanwalt. Der Prozess, der vor der Großen Schwurgerichtskammer in Stuttgart begann, dürfte außergewöhnlich sein. Schon allein der vorgeworfene Tatbestand weicht vom normalen Vorwurf eines versuchten Tötungsdelikts ab. Aus niederen Beweggründen, aus Habgier und heimtückisch soll der auf der Anklagebank sitzende Elektrotechniker einer Stuttgarter Firma im Herbst 2010 beschlossen haben, den Ehemann seiner Schwester deshalb umbringen zu lassen, weil dieser ein Moslem und daher untragbar für die Familie sei.
Laut den Ermittlungen der Stuttgarter Mordkommission soll der Mann einen entfernten Cousin im Mai letzten Jahres in Stuttgart beauftragt haben, seinen in Balingen wohnhaften Schwager gegen Bezahlung von 25 000 Euro zu töten. Der Ehemann seiner Schwester sei aus religiöser Sicht nicht mehr tragbar. Der Cousin habe bei einem ersten Treffen im April oder Mai letzten Jahres am Burgholzhof in Bad Cannstatt zunächst eingewilligt und erst einmal die Anzahlung in Höhe von 7000 Euro kassiert. Daraufhin soll ihm der Angeklagte genaue Details über Wohnort, Arbeitsstelle und täglichen Gewohnheiten des potenziellen Opfers in einem Sammelordner übergeben haben. Dieser habe ihm zudem einen Film gezeigt, auf dem der Schwager zu sehen ist und verlangt, dass die Leiche in einem Wald tief begraben wird, um alle Spuren zu verwischen. Der "Killer" selbst hatte nur zum Schein zugesagt und auf mehrmaliges Drängen des Angeklagten schließlich gesagt, seine Pistole sei defekt, er könne den Mord nicht ausführen. Daraufhin soll ihm der Angeklagte eine weitere Zahlung von 2000 Euro zum Kauf einer neuen Waffe zugesichert und befohlen haben, die Tat "jetzt rasch zu erledigen!"
Am 11. Mai meldete sich der gedungene Killer bei der Stuttgarter Polizei. Ein Beamter der Mordkommission berichtet im Zeugenstand, dass er an jenem Tag einen Anruf von einem Mann bekam, der ihn in die Rosenstraße im Stuttgarter Westen bestellte. Dort erzählte ihm der Mann, der ihm ziemlich angetrunken schien, von dem Mordauftrag und übergab dem Polizisten den Ordner mit den Unterlagen. Das für die Tat kassierte Geld will er bereits verbraucht haben.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: BERND WINCKLER | 04.02.2012
| Artikel twittern |
|
|
MEISTGELESENE ARTIKEL
Zwischen Bachtal-Schönheit und Miss Deutschland
Sie ist Miss Bayern. Jetzt tritt sie auch bei der Wahl zur schönsten Frau Deutschlands an. Die Rede ist von Sarah-Lorraine Riek aus Syrgenstein. Ob sie nun die Krone ins Bachtal holt oder nicht – die 19-Jährige ist gewappnet.... mehr
Voith Paper baut in Heidenheim 280 Stellen ab
Der Schnitt war angekündigt, fiel aber offenbar härter aus als erwartet: Angesichts drastischer Einbrüche am Markt für grafische Papiere will Voith Paper in Deutschland und Österreich über 700 seiner 2800 Stellen streichen.... mehr
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Familie muss ausziehen - Fünf Kinder in Wohnungsnot
Neu-Ulm Eine Alleinerziehende steht am 8. Juli mit ihren fünf Kindern auf der Straße, wenn sie keine Wohnung findet. Bisher ohne Erfolg, trotz professioneller Unterstützung der Wohnberatung der Neu-Ulmer Diakonie.... mehr
Amok-Alarm an Schule in Memmingen - Fahndung nach Täter läuft
Memmingen Amok-Alarm hat am Dienstagnachmittag ein 15-jähriger Schüler der achten Klasse in Memmingen (Bayern) ausgelöst. Der Junge hatte die Lindenschule, eine Grund- und Hauptschule, mit zwei scharfen Waffen betreten und mehrere Personen bedroht. Auch ein Schuss fiel.... mehr

ZURÜCK