Sitzblockaden sollen Gelöbnis verhindern
Stuttgart. Mehr als 1000 Polizisten sind morgen rund um das Neue Schloss in Stuttgart im Einsatz. Die Stadt rechnet mit 4000 Demonstranten gegen das Gelöbnis von 650 Bundeswehrrekruten im Ehrenhof.
Mehr als ein Dutzend Gruppierungen haben bei der Stadt Stuttgart Demos gegen das Gelöbnis von 650 Bundeswehr-Rekruten im Ehrenhof des Neuen Schlosses angemeldet. Mit Sitzblockaden soll laut der Friedensaktivisten die feierliche Zeremonie gestört und wenn möglich sogar verhindert werden. Die Polizei ist mit mehr als 1000 Beamten im Einsatz sein, die zudem von Feldjägern unterstützt werden.
Seit 30 Jahren finden bundesweit jährlich rund 150 öffentliche Gelöbnisse statt. Die Bundeswehr will damit ihre Bürgernähe demonstrieren, denn diese Zeremonie fand die Jahre zuvor immer innerhalb der Kasernenmauern statt. Das erste Gelöbnis in Stuttgart wurde 1980 abgehalten und war von schweren Ausschreitungen zwischen Polizei und Demonstanten überschattet. Das zweite im Jahr 1999 ging dagegen friedlich über die Bühne. Morgen legen von 15 bis 16 Uhr jetzt zum dritten Mal in der Landeshauptstadt junge Rekruten ihren Eid auf die Bundesrepublik Deutschland ab.
Allerdings wollen das Demonstranten verhindern. Wieviele sich rund um den Schlossplatz einfinden werden, lässt sich nur mutmaßen. Polizeisprecher Stefan Keilbach rechnet auf jeden Fall mit einer großen Zahl. "Mehr als zwölf angemeldete Gruppierungen sind schon eine stattliche Zahl." Obwohl es am vergangenen Sonntag zu einer kurzfristigen Besetzung der Eberhards-Kirche kam, dort findet vor dem Gelöbnis um 13 Uhr ein Gottesdienst statt, werde sich am Einsatzkonzept und an der Anzahl der Polizisten jedoch nichts ändern. Das heißt, dass morgen ab 6 Uhr damit begonnen wird, den Ehrenhof des Neuen Schlosses abzuriegeln. "Die Gitter werden auf Höhe der Siegesäule aufgestellt, so dass die Entfernung zum Hof groß genug ist und dort auch genug Platz für die Angehörigen der Rekruten zur Verfügung steht", erklärt Alfons Nastold vom Amt für Öffentliche Ordnung. Wie viele Schaulustige sich hinter der Absperrung einfinden werden, lässt sich nur vermuten; wie auch die Anzahl der Demonstranten.
"Uns lagen insgesamt 15 Anmeldungen vor", so Alfons Nastold. Darunter haben sich vier Problemgruppierungen befunden. Nach einigen Gesprächen seien zwei davon wieder abgesprungen, so dass Stadt und Polizei mit 13 Demonstrantengruppen morgen rechnet. Jeder wurde ein fester Platz zugewiesen, wobei die größte Kundgebung vor dem Kunstmuseum stattfinden soll. Der Liedermacher Konstantin Wecker hat ein Grußwort dafür geschrieben.
Der Karlsplatz wird dagegen komplett von der Bundeswehr, der Feuerwehr und von Sanitätern in Beschlag genommen. Neuralgischer Punkt der Veranstaltung dürfte wohl der Fußweg der Soldaten zwischen Kirche und Schlosshof sein. Allerdings hat das Blockadebündnis im Vorfeld betont, dass das Gelöbnis zwar gestört oder gar verhindert werden soll, allerdings mit friedlichen Mitteln.
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Autor: ULI NAGEL | 29.07.2010
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Junge Rekruten legen morgen im Ehrenhof des Neuen Schlosses ihren Eid auf die Bundesrepublik Deutschland ab. Foto: Archiv
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