Rauchmelder in jedem Pflegeheim gefordert

Stuttgart.  Bei rund 50 Bränden in Senioreneinrichtungen im Jahr sterben etwa 20 Bewohner und mehr als 100 Menschen werden verletzt. Ein einheitliches Brandschutzkonzept existiert in Deutschland dennoch nicht.

Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz-Stiftung hat nun in Stuttgart den Aktionsplan "Deutschlandweiter Brandschutz rettet Pflegebedürftige" für Bund und Länder vorgelegt. "Es gibt keinen Sonderbau in Deutschland, in dem mehr Todesopfer durch Feuer zu beklagen sind als in Pflegeheimen. Selbst Lagerhallen sind besser geschützt", sagt Eugen Brysch, Geschäftsführender Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz-Stiftung. Brandschutz sei kein Spezialthema, betont Brysch. "Es muss etwas unternommen werden." Aber: Ohne politischen Druck laufe nichts.

In Deutschland leben mehr als 700 000 Menschen in 11 000 stationären Pflegeeinrichtungen. Etwa 60 Prozent der Brände entstehen zwischen 19.30 Uhr abends und 6 Uhr morgens. 70 Prozent der Brandopfer werden im Schlaf überrascht. "Gerade nachts ist nicht gewährleistet, dass ausreichend Pflegepersonal vorhanden ist", sagt Brysch. Deshalb fordere man unter anderem, dass in Pflegeheimen nachts mindestens zwei Pflegekräfte pro Abteilung anwesend sein müssen. "Denn nur so ist gewährleistet, dass im Brandfall eine Sofortrettung der betroffenen Bewohner erfolgen kann."

Außerdem müssten Betriebsgenehmigungen geprüft werden und man sollte sich einen Überblick über die vorhandenen Brandschutzmaßnahmen in allen Heimen und Pflegeeinrichtungen verschaffen. "Betreutes Wohnen darf kein Sicherheitsrisiko sein", sagt Brysch. Auch für Einrichtungen des betreuten Wohnens, die formal keine Pflegeeinrichtungen sind, aber oft pflegebedürftige Menschen beherbergen, müsse der gleiche Brandschutzstandard gelten. Deutschlandweites politisches Handeln sei notwendig, fordert Brysch. Drei Dinge müssten immer vorhanden sein: eine Sprinkleranlage, eine Brandmeldeanlage sowie ein Gefahrmelder in jedem Zimmer.

Zwölf Brände in Pflege- oder Seniorenheimen in Deutschland hat die Patientenschutzorganisation dokumentiert. "Bei all diesen Bränden sind Menschen gestorben", sagt Volker Meyer, Vorsitzender der Mission Sicheres Zuhause. Er berichtet unter anderem von einem Brand am 31. Dezember vergangenen Jahres in einem Leipziger Seniorenheim, bei dem zwei Bewohnerinnen wegen einer brennenden Zigarette starben. "Dort hatte es 2004 schon einmal gebrannt - die Schutzmaßnahmen im Brandfall blieben unverändert." Ebenso tragisch sei ein Vorfall vom 7. Dezember 2010 in einem Wohnstift in Würzburg, bei dem fünf Personen starben. Brandursache war eine Halogenlampe, die auf das Bett fiel. Eine Brandmeldeanlage war zwar vorhanden, aber kein Brandmelder in den Zimmern und keine Sprinkleranlage. Von eher "kleineren Zwischenfällen", so Meyer, bei denen keine Menschen ums Leben kommen, bekäme man leider kaum etwas mit.

Von Bränden in Stuttgarter Alters- oder Pflegeheimen weiß man kaum etwas zu berichten. So sind beispielsweise der Brand in einem Seniorenheim in Bad Cannstatt am 8. Januar 2011, der durch ein auf dem Herd vergessenes Essen ausgelöst wurde, oder das Feuer in einem Alten- und Pflegeheim in Stuttgart-Münster, das am 31. Oktober 2011 ausbrach, nicht dokumentiert. Ebenso wenig, wie der Vorfall vom 14. Oktober 2010: Damals kamen sechs Menschen nach einem Feuer in einem Stuttgarter Altenheim mit Verdacht auf Rauchvergiftungen ins Krankenhaus. Der Brand war in der Küche eines Wohnappartements in der zweiten Etage ausgebrochen. Die Einsatzkräfte befreiten zehn Personen aus dem völlig verrauchten Stockwerk.

"Auch wenn dabei keine Menschen ums Leben kamen - diese Vorfälle zeigen doch, dass ein deutschlandweiter Brandschutz für Pflegebedürftige mehr als notwendig ist", betont Meyer.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: YVONNE WEIRAUCH | 09.02.2012

Google 1+

Zwischen Bachtal-Schönheit und Miss Deutschland

Sie ist Miss Bayern. Jetzt tritt sie auch bei der Wahl zur schönsten Frau Deutschlands an. Die Rede ist von Sarah-Lorraine Riek aus Syrgenstein. Ob sie nun die Krone ins Bachtal holt oder nicht – die 19-Jährige ist gewappnet.... mehr
Voith Paper Technology Center

Voith Paper baut in Heidenheim 280 Stellen ab

Der Schnitt war angekündigt, fiel aber offenbar härter aus als erwartet: Angesichts drastischer Einbrüche am Markt für grafische Papiere will Voith Paper in Deutschland und Österreich über 700 seiner 2800 Stellen streichen.... mehr
Schwerer Unfall bei Brenz

Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz

Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr

Familie muss ausziehen - Fünf Kinder in Wohnungsnot

Neu-Ulm Eine Alleinerziehende steht am 8. Juli mit ihren fünf Kindern auf der Straße, wenn sie keine Wohnung findet. Bisher ohne Erfolg, trotz professioneller Unterstützung der Wohnberatung der Neu-Ulmer Diakonie.... mehr

Amok-Alarm an Schule in Memmingen - Fahndung nach Täter läuft

Memmingen Amok-Alarm hat am Dienstagnachmittag ein 15-jähriger Schüler der achten Klasse in Memmingen (Bayern) ausgelöst. Der Junge hatte die Lindenschule, eine Grund- und Hauptschule, mit zwei scharfen Waffen betreten und mehrere Personen bedroht. Auch ein Schuss fiel.... mehr

Amok-Alarm an Memminger Schule: Waffen gehören dem Vater

Memmingen Die Waffen des 14-jährigen Schützen aus Memmingen gehören dessen Vater. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch als Ergebnis erster Ermittlungen zu dem Amokalarm mit. Der Vater sei ein Sportschütze.... mehr