Passionsgeschichte erleben

Stuttgart.  In der Wallmerkirche in Untertürkheim wird gehämmert, gepinselt, gebügelt und dekoriert. Knapp zwei Dutzend Ehrenamtliche der Kirchengemeinde bauen seit Montag den diesjährigen Ostergarten auf.

"Von kommenden Sonntag bis Ostermontag können Besucher hier die Ostergeschichte mit allen Sinnen erleben", sagt Eberhard Graf. Seit Montag werkeln Heinzelmännchen und -frauchen in der Wallmerkirche. Rund zwei Dutzend Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde verteilen sich zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Stationen der biblischen Ostergeschichte: Eberhard Graf und Horst Zimmermann machen die letzten Pinselstriche an den drei mal drei Meter mächtigen Wandgemälden von biblischen Landschaften, die sie in der Vorwoche gemalt haben. Theo Lenz und Fritz Warth tragen dünne Holzwände in die Kirche. Sie werden später den neuen Eingang durch das Grab in den paradiesischen Ostergarten bilden.

Wenige Meter entfernt kniet Paul Warth mit dem Akku-Schrauber auf dem Boden und repariert eine Latte für einen Wandbehang, den Ingrid Strauß noch glatt bügelt. Drei Stationen weiter kleidet Thomas Kerber vom Kostümhaus Wagner einen römischen Soldaten originalgetreu ein, und Edith Hopf-Schopper zupft die Robe von Pilatus zurecht. "Jeder im Aufbau-Team bringt sich mit seinen Fähigkeiten ein, damit bis Sonntag die letzten Feinheiten erledigt sind", ist Pfarrer Matthias Frasch vom Engagement begeistert.

Seit 2003 bietet die evangelische Kirchengemeinde diese Zeitreise vom Einzug Jesus und seiner Jünger in Jerusalem bis zur Auferstehung an. Routine gibt es für die Untertürkheimer aber auch im achten Jahr nicht.

Mit viel Liebe wird an jedem Detail gefeilt und einzelne Stationen perfektioniert. Der alte, provisorische "Esel" wurde ausrangiert. Am Eingang nimmt nun ein täuschend echter Palm-Esel aus Plastik die Gäste in Empfang. Die Krämerbude gibt es seit 2009, Wandbilder mit Olivenhain-Landschaften verdecken seit dieser Woche den Blick in den Kirchenraum und das Grab Jesu wird noch erneuert. Besucher spüren, mit welcher Liebe die Stationen aufgebaut werden. Die Resonanz ist dementsprechend groß.

Wegen der hohen Besucherzahl wurde die Ausstellungsdauer von zwei auf drei Wochen verlängert. "Die Gäste kommen aus der gesamten Region. Einzelpersonen, Jugend- und Kindergruppen, aber auch Jahrgänge oder Seniorengruppen machen einen Ausflug in unsere Kirche", ist Paul Warth stolz. Die Kommentare im Gästebuch zeugen von der Begeisterung, mit der die Zeitreisenden den Ostergarten verlassen. "Man erlebt einfühlsam noch einmal die Leidensgeschichte Jesu. Die Stationen gehen unter die Haut", schrieb eine Frau den Untertürkheimern ins Buch. Für den Nachwuchs ist die Station, an der der Hahn dreimal kräht, und natürlich der Ostergarten am eindrücklichsten. "Man hört, sieht und riecht die Auferstehung", formuliert eine Mutter ihr Empfinden, nachdem sie vom dunklen Grab ins blühend-bunte und lebendige Paradies tritt.

"Einige Küken für den Ostergarten sind bereits geschlüpft", verrät Paul Warth. Am Wochenende wird seine Tochter Andrea noch Blumen und das Grün frisch richten. "Ohne diese ehrenamtliche Arbeit würden wir das Projekt nicht stemmen", sagt Frasch. Denn der freiwillige Dienst geht weiter: Der Ostergarten ist täglich von 14. März bis 5. April von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Unter der Woche werden um 16 Uhr Führungen angeboten, am Wochenende und an Feiertagen um 15 und 16.30 Uhr.


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Autor: MATHIAS KUHN | 13.03.2010

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