Narren erobern auch Stuttgart

Stuttgart.  Während die Narren in anderen Großstädten bereits ihren Rausch vom Rosenmontag ausschliefen, erfasste das närrische Treiben gestern die Schwabenmetropole - und das bei strahlendem Sonnenschein.

Gegen 14.11 Uhr setzte sich der Faschingsumzug mit etwa 55 Karnevalsvereinen und Fanfarenzügen in Bewegung. Schätzungsweise 250 000 Besucher hatten sich an der Umzugsstrecke in der Stuttgarter Innenstadt versammelt.

Ehrenmitgliedschaft: "Zum letzten Mal in der Amtszeit den Aktenstaub aufwirbeln": Das hat sich Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) beim Rosenmontagsempfang im Stuttgarter Rathaus gewünscht. Die geladenen Karnevalsvereine zeigten sich wehmütig darüber, dass Wolfgang Schuster seinen Posten nach der Wahl im Herbst abgeben wird. Zwar sei er in seinen ersten Amtsjahren über die Fastnachtstage schon mal Skilaufen gewesen; mittlerweile aber schätze er es, dass die Narren etwas Leben ins Stuttgarter Rathaus brächten. Damit Schuster der Fastnacht verbunden bleibt, verlieh das Festkomitee erstmals eine Ehrenmitgliedschaft: Ein absolutes Novum.

Grüße an die Politik: Verbundenheit zu dem närrischen Treiben zeigte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster auch inmitten des gestrigen Getümmels in der Innenstadt. Angeführt wurde der Faschingsumzug bei strahlendem Sonnenschein von einem Pferdegespann mit dem Stadtoberhaupt. "Bei dem tollen Wetter ist auch die Stimmung gut", sagte Schuster. Die Narren und Karnevalisten feierten ausgelassen und nahmen die Politik nur vereinzelt aufs Korn. Die Karnevalsgesellschaft Grün-Schwarz Stuttgart machte sich beispielsweise mit Sprüchen wie "Juchtenkäfer - letzte Grüne Hoffnung" über den Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21 lustig.

Bemalung mit OB-Kandidaten: Bunt, bunter, am buntesten: In knalligen Farben stand auf einem Wagen von Grün-Schwarz Stuttgart "Der schnelle Renner. Der kühne Fritz". Die möglichen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl im Herbst bekamen ihr Fett weg. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Fritz Kuhn und der frühere Sozialminister Andreas Renner (CDU). Auf einem anderen Wagen stand zu lesen: "Der flinke Turner. Die eiserne Susi." Auch Sebastian Turner will OB werden. Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann hat hingegen ihre Kandidatur schon abgelehnt.

Alles Säue: Mit einem eigenem Wagen war in diesem Jahr auch wieder das Schweinemuseum dabei, begleitet von 15 Säuen auf zwei Beinen. Steckdosennasen und Ringelschwänzchen sind Pflicht, wenn man ein fünf Meter langes und 3,20 Meter hohes Riesenferkel namens Annabelle anführt. Das Schwein trägt Schal und ein rotes Mützchen - um auch den Bezug zum Cannstatter Wasen zu zeigen, auf dem die Familie Wilhelmer immer beim Volksfest vertreten sind.

Struwwelpeterfrisur: Mal blicken sie böse drein, mal lächeln sie schief oder flitzen über die Straße: Hexen kennen kein Pardon. Zudem werden an diesem Nachmittag zahlreiche Haare zur Struwwelpeterfrisur umgestylt. Es wird gezaust und gewuschelt, was die Mähne hergibt - vor allem die der weiblichen Zuschauer. Diese blicken dann verdutzt in den Spiegel. Aber auch Männer bleiben nicht außen vor. Wollmützen werden von den Hexen "verhaftet" und erst nach Protesten wieder herausgegeben.

Feiern ohne Grenzen: Etwa 55 Gruppen sind nach Angaben des Veranstalters, der Karnevalsgesellschaft Möbelwagen, nach Stuttgart gereist, um den närrischen Endspurt einzuläuten. Die Narren kamen aus der ganzen Region und sogar aus der Schweiz in die Landeshauptstadt. "Wir können hier im Schwabenland auch zeigen, dass wir feiern können", jubelte der Moderator, der Zum Endspurt sogar einige Zuschauer aus dem Rheinland begrüßte.

Konfettibedeckter Asphalt: Einige der Hundsholzhexen aus Adelberg im Kreis Göppingen kletterten auf Absperrgitter oder wälzten sich mit Zuschauern über den konfettibedeckten Asphalt. Gar nicht zimperlich mit den Zuschauern waren auch die Narrenfreunde Heckenbeerlesgäu aus Ostelsheim (Kreis Calw): Diese Hexen im grün-braunen Häs mit aufwendig geschnitzten sogenannten Larven, den Masken, schnürten Zuschauer auf ein Holzrad und drehten sie im Kreis herum. Da wurde es so manchem schwindelig.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: YVONNE WEIRAUCH | 22.02.2012

Google 1+

Zwischen Bachtal-Schönheit und Miss Deutschland

Sie ist Miss Bayern. Jetzt tritt sie auch bei der Wahl zur schönsten Frau Deutschlands an. Die Rede ist von Sarah-Lorraine Riek aus Syrgenstein. Ob sie nun die Krone ins Bachtal holt oder nicht – die 19-Jährige ist gewappnet.... mehr
Voith Paper Technology Center

Voith Paper baut in Heidenheim 280 Stellen ab

Der Schnitt war angekündigt, fiel aber offenbar härter aus als erwartet: Angesichts drastischer Einbrüche am Markt für grafische Papiere will Voith Paper in Deutschland und Österreich über 700 seiner 2800 Stellen streichen.... mehr
Schwerer Unfall bei Brenz

Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz

Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr

Familie muss ausziehen - Fünf Kinder in Wohnungsnot

Neu-Ulm Eine Alleinerziehende steht am 8. Juli mit ihren fünf Kindern auf der Straße, wenn sie keine Wohnung findet. Bisher ohne Erfolg, trotz professioneller Unterstützung der Wohnberatung der Neu-Ulmer Diakonie.... mehr

Amok-Alarm an Schule in Memmingen - Fahndung nach Täter läuft

Memmingen Amok-Alarm hat am Dienstagnachmittag ein 15-jähriger Schüler der achten Klasse in Memmingen (Bayern) ausgelöst. Der Junge hatte die Lindenschule, eine Grund- und Hauptschule, mit zwei scharfen Waffen betreten und mehrere Personen bedroht. Auch ein Schuss fiel.... mehr

Amok-Alarm an Memminger Schule: Waffen gehören dem Vater

Memmingen Die Waffen des 14-jährigen Schützen aus Memmingen gehören dessen Vater. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch als Ergebnis erster Ermittlungen zu dem Amokalarm mit. Der Vater sei ein Sportschütze.... mehr