Kandidatenkarussell dreht sich

Stuttgart.  Am 7. Oktober wählen die Stuttgarter einen neuen Oberbürgermeister. Die Parteien sind auf der Suche nach Erben für Wolfgang Schuster - und allmählich gewinnt das Kandidatenkarussell an Fahrt.

Die Grünen biegen bereits auf die Zielgerade ein: Obgleich weder die Findungskommission noch die Mitgliederversammlung die Personalie endgültig beschlossen haben, steht mit Fritz Kuhn der OB-Bewerber bereits fest. Allein dessen Erklärung, grundsätzlich zur Kandidatur bereit zu sein, ist in den eigenen Reihen auf große Zustimmung gestoßen. Es gilt als sicher, dass die Mitglieder den Wirtschafts- und Finanzexperten am 15. März zum offiziellen Kandidaten der Stuttgarter Grünen küren werden. Trotz seines Alters: Kuhn wird zum Zeitpunkt der OB-Wahl 57 Jahre alt sein, damit also nur für eine volle Amtszeit zur Verfügung stehen könnte. Die Altersgrenze für Bürgermeister liegt bei 65 Jahren.

Bei der CDU sorgt die Bewerbersuche eher für Unruhe. Der Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann hat den parteilosen Werbeunternehmer Sebastian Turner (45) vorgeschlagen - und viel Kritik dafür einstecken müssen, einen Kandidaten ohne politische Vernetzung und Verwaltungserfahrung ins Rennen schicken zu wollen. Namhafte Parteimitglieder machen sich deshalb für Andreas Renner (52), den ehemaligen Landessozialminister und früheren OB von Singen, stark. Doch der hält sich bislang mit einer Aussage zurück. Eine Entscheidung wird aber in dieser Woche erwartet. Sollte er antreten, werden andere Aspiranten - gehandelt werden der frühere Stuttgarter Wirtschaftsförderer Wolfgang Häfele, Backnangs OB Frank Nopper und die Bundestagsabgeordnete Karin Maag - ihre Hoffnungen begraben dürfen. Die Entscheidung darüber, ob Turner oder ein anderer Kandidat ins Rennen gehen wird, soll die CDU-Basis am 17. März bei einem mitgliederoffenen Parteitag fällen. Spannung ist garantiert, denn auch Turner hat prominente Fürsprecher: Für seine Aufstellung als OB-Kandidat weben mehrere Christdemokraten, die sich zu einer Untertützerinitiative zusammengeschlossen haben. Zu ihnen gehören unter anderem der frühere Erste Bürgermeister Rolf Thieringer, der Wirtschaftsförderer der Region Walter Rogg sowie die früheren Pressesprecher der Stadt, Susanne Wetterich und Stephan Schorn.

Die Stuttgarter SPD machte bisher nicht den Anschein, einen eigenen Kandidaten präsentieren zu wollen. Doch die Vorsitzende der Gemeinderatsfraktion Roswitha Blind, die gemeinsam mit dem Kreisparteichef Dejan Perc die Findungskommission der Sozialdemokraten leitet, betont: "Wir werden auf jeden Fall mit einem eigenen Bewerber zur OB-Wahl antreten." Daran ändere auch die Bewerbung von Fritz Kuhn nichts. Die Partei werde "zum richtigen Zeitpunkt" einen Namen nennen. "Natürlich gibt es geeignete Bewerber mit SPD-Parteibuch." Man führe Gespräche mit einer Reihe von Interessenten. Penibel aber achtet das Gremium darauf, dass keine Personalie nach außen dringt. Bekannt ist nur, dass die Reutlinger Oberbürgermeisterin und Städtetags-Präsidentin Barbara Bosch sowie der Esslinger OB Jürgen Zieger abgewinkt haben.

Die FDP zeigt sich eher unentschlossen. Wie der Kreisvorsitzende Armin Serwani erklärt, haben sich die Liberalen noch nicht entschieden, ob sie einen eigenen Bewerber nominieren werden. Man sei aber mit verschiedenen Personen im Gespräch. Fest steht nur: Sollte sich die Findungskommission in diesen Tagen auf einen Kandidaten verständigen, soll dieser am 20. März bei der Jahresversammlung des FDP-Kreisverbandes präsentiert werden. Das gilt jedoch als wenig wahrscheinlich. Mit dem Europaabgeordneten und früheren Oberbürgermeister von Horb, Michael Theurer, hat ein profilierter FDP-Politiker bereits Nein gesagt.


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Autor: ELKE HAUPTMANN | 07.02.2012

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